Schnell trat ich aus meinem Versteck und ging zu Winter. Sie konnte mich zunächst nicht sehen, da sie den Kopf nicht mehr drehen konnte. Daher trat ich in ihr Blickfeld.
Sie sah mich mit großen Augen an und sagte: »Da bist Du aber schnell zurückgekommen.«
Ich lehnte mich zu ihr hinüber und sagte: »Ich bin es.«
Ihre Augen drehten sich nach oben und sie sagte: »War mir klar. Warum hast Du gerade nichts gemacht?«
»Konnte nicht – war zu spannend.«
Ich griff nach den Stricken, die nicht nur so aussahen, sondern sich auch so anfühlten, als wären sie aus Stein. Sie rührten sich keinen Millimeter.
»Wie bekomme ich Dich da raus?«
»Es ist ein alter Zauber.«
»Es gibt Zauber?«
»Hast Du das nicht gesehen? Mutter hatte mal eine Zeitlang damit experimentiert. Es ging darum, Materie durch den Willen zu formen. Letztendlich gab es allerdings zu viel Missbrauch und Mutter hatte diese Sachen wieder verboten.«
»Die Natur hat sich gegen Zauber entschieden?«
»Sie hat ihre Gesetzte leicht angepasst.«
»Aber einige können immer noch zaubern?«
»Für Unsterbliche ist es nichts Außergewöhnliches. Sie haben diese Gabe.«
»Nachdem Du mir die logische Erklärung für etwas völlig phatastische gegeben hast, könntest Du mir sagen, wie ich Dich hinaus bekomme?«
»Hast Du nie Zaubererfilme gesehen? Wenn es einen Zauberspruch gibt, dann gibt es auch einen Gegenzauber. Du musst ihn nur im Buch finden. Meist steht er im Kleingedruckten.«
»Wirklich viel Zeit haben wir nicht. Vielleicht sind unsere Gastgeber gleich wieder hier.«
»Dann beeile Dich bitte.«
Ich rannte zum Buch und sah auf die Seiten.
Eigentlich hatte ich erwartet, irgendetwas lateinisches, in Blut Geschriebenes zu sehen. Statt dessen waren dort nur verdammt viele Piktogramme abgebildet, wie in einer dieser Anleitungen vom schwedischen Möbelhaus.
Anscheinend war dieses Zauberbuch von Analphabeten oder für diese erdacht worden.
Die aufgeschriebene Seite erklärte mir das, was ich gerade gesehen hatte. Dort waren auch die grünen Schlingpflanzen am Ende.
Schnell blätterte ich auf die nächste Seite.
Dort stand etwas, was mich schwach an das rote Einmachglas-Herz erinnerte. In den Bildern wurde beschrieben, wie man es dem Spender entnimmt und was dies für Auswirkungen hat. Mir drehte sich für einen Augenblick der Magen um.
Ich blätterte schnell weiter.

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