Zauberlehrling

Beim schnellen Blättern sah ich merkwürdige Zauber, die innere Schönheit nach Außen kehrten oder die wahlweise Pflanzen, wie auch Körperteile wachsen ließen, was mich schmunzelnd an diverse Spam-Mails erinnerte. Wenn die Schreiber dieser Mails dieses Buch hätten, sähe die Welt da draußen anders aus und einige Anwender könnten nicht mehr gerade stehen, sondern würden immer wieder nach vorne fallen.
Ein Spruch schien mir vielversprechend. Auf der Seite stand, wie man Stein in Staub verwandelte.
In der oberen linken Ecke standen die dazu benötigten Werkzeuge. Man brauchte ein paar Haare, ein wenig Erde – anscheinend von einem Friedhof – und ein paar Würmer.
Anschließend musste man alles in die Schale geben, ein wenig Pulver verstreuen und das ganze anzünden.
Die meisten Zauber in diesem Buch wirkten ähnlich. Man nahm ein paar Zutaten, verbrannte alles und machte dann komische, an Joga erinnernde Bewegungen und musste dabei ein paar Geräusche murmeln.
Diese Geräusche waren an die Natur angelehnt. Für meinen Zauber brauchte ich eine jaulenden Hund, einen Hahn, der auf dem Kopf stand, drei Ziegen und ein wenig schreiende Katz. Winter würde sich über diese Laute wahrscheinlich amüsieren.
Ich blickte mich hilflos um. Wo fand ich jetzt die Würmer und die Erde? Die Zutaten standen hoffentlich hier in den Regalen.
Für die Suche würde ich eine Lichtquelle brauchen. Daher nahm ich die schwarze Kerze, die merkwürdig schwer war. Als ich sie berührte, flackerte die Flamme kurz auf, als würde sie vor mir zurückschrecken. Beschwichtigend sprach ich mit ihr, bis sie wieder ein konstantes Licht ausstrahlte.
Ich nahm die Kerze und machte mich auf die Suche.
Winter sagte: »Wir haben jetzt keine Zeit, dass Du Dir hier alles ansiehst. Es wäre ratsam, wenn Du Dich beeilen würdest.«
»Wenn Du mir sagst, wo ich Erde und Würmer finde, dann werde ich mich beeilen.«
Ich leuchtete in die Regale und mir fiel auf, dass die Piktogramme aus dem Buch auch auf den Behältern aufgebracht waren.
Schnell eilte ich an den vielen Gläsern, Dosen und Vasen vorbei, immer auf der Suche nach den richtigen Zutaten.
Die Erde fand ich nach wenigen Minuten, tat mich allerdings mit den Würmern erheblich schwerer. Sie waren am äußersten Rand des Raums im obersten Regal untergebracht.
Dann eilte ich zurück. Mir schoss die Frage durch den Kopf, ob es wohl relevant war, welche Haare ich nahm. Da ich meine Frisur nicht ruinieren wollte, rannte ich zu Winter und zupfte ihr einige Haare aus einer Strähne.
Sie sah mir wenig wohlwollend dabei zu.

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