Nach der Bibelstunde stand ein Gruppenspiel auf dem Plan. Wir versammelten uns auf dem Vorplatz, auf dem uns Siegfried und Herr Berkowitz die Regeln erklärten.
Daniel und Jörg, die ihre Sportlichkeit am Morgen unter Beweis gestellt hatten, durften jeweils eine Gruppe führen. Jede der Gruppen bekam eine Fahne. Jörg hielt die rote und Daniel die blaue Fahne in die Luft.
Nachdem sie alle Kinder aufgeteilt hatten, bekam jedes Gruppenmitglied ein Band mit seiner Gruppenfarbe um das rechte Handgelenk gebunden. Die Regeln des Spiels entsprachen denen, des typischen Shooter-Modes ›Capture the Flag‹.
Da allerdings Computerspiele damals noch nicht so bekannt waren, musste man uns das Regelwerk umständlich erklären.
Ziel jeder Gruppe ist es, die gegnerische Fahne zu erbeuten und zum Ziel zu bringen. Gleichzeitig wird die eigene Fahne verteidigt. Verliert man dabei das Band oder wird es einem von der Hand gerissen, muss der ›Band-Lose‹ das Spiel verlassen.
Boris war in meiner Mannschaft und wurde noch nach mir von Jörg gewählt. Erneut war Anja bei unseren Feinden und blitzte mich siegesgewiss an. Zu meinem Glück war Julia ebenfalls im gegnerischen Team.
Das würde mir die Gelegenheit geben, ihr sehr nahe zu kommen, sollte ich sie irgendwo erwischen.
Siegfried schaute auf die Uhr und sagte: »Ich gebe euch gleich das Zeichen für den Anfang. Nach zehn Minuten werden ich erneut pfeifen. Wenn ihr das Pfeifen hört, könnt ihr damit anfangen, die Fahne der anderen Mannschaft zu erbeuten. Das Wäldchen ist nicht besonders groß und es ist nicht erlaubt, es beim Spiel zu verlassen.«
Er sah ernst in die Runde und sagte: »Bitte seid vorsichtig und bleibt weg vom Steinbruch. Dort kann es gefährlich werden.«
Dann blies er in die Pfeife und unsere Truppe machte sich auf den Weg in Richtung Wald.
Nach vielleicht fünf Minuten blieb Jörg stehen und teilte das Team erneut auf. Ein paar von uns sollten sich hier im Graben verstecken und eine Abwehrkette bilden.
Boris meldete sich als Freiwilliger und zog mich mit sich. Heiko ging ebenfalls mit uns.
Wir waren schon tief im Wald und das Licht brach sich spärlich durch das frisch grün gewordene Laubmeer über uns. Der Weg lag im Zwielicht. Wir Drei warteten gebeugt im Graben am Wegrand. Heiko hatte ein paar Hände voller Laub über sich verteilt.
Als wir den Rest unserer Gruppe nicht mehr sehen konnte, zog mich Boris am Ärmel.  »Wir können jetzt los.«
»Wohin willst Du?«
Heiko sah uns fragend an. »Jörg hat doch gesagt, dass wir hierbleiben sollen.«
Mit einem Kopfschütteln sagte Boris: »Wir werden nach etwas suchen. Du kannst ja hierbleiben und den Weg verteidigen.«
Erneut wollte Heiko darauf hinweisen, dass wir eine andere Aufgabe hatten, doch Boris war schon aus dem Graben gesprungen. Er zog mich mit sich.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s