Boris hatte tatsächlich recht. Als wir am nächsten Morgen aufwachten, schien draußen die Sonne. Das Wetter gab uns neue Energie. Alle waren vergnügt. Nur die Bibelstunden stand uns noch im Weg. Wir wollten nach draußen.
Das dröge Thema an diesem Morgen, war der Turmbau zu Babel. Ich war etwas erleichtert, dass man den Zwischenteil im 1. Buch Moses mit dem Stammbaum übersprang. Die Bibel kann an einigen Stellen sehr langatmig sein.
Ich kann mich kaum noch an die Bibelarbeit erinnern. Während der gesamten Zeit sah ich entweder zu Julia, die in der Sonne, die durch die Fenster fiel, aussah wie ein Engel, oder ich sah nach draußen.
Ich weiß noch, dass Boris Anja fragte: »Wie gelingt es uns, die Sportstunde zu schwänzen?«
Sie antwortete: »Es gibt hier kein Pflichtprogramm. Wenn wir nicht teilnehmen wollen, wird uns keiner dazu zwingen. Allerdings werden wir erklären müssen, was wir statt dessen machen. Sebi sagte ja schon vorgestern, dass es merkwürdig erscheinen wird, wenn wir alle Drei gleichzeitig fehlen.«
Mir kam eine Idee, wie wir das Problem lösen konnten. Nach der Bibelstunde ging ich zu Siegfried, der mich lächelnd empfing.
»Hast Du noch Fragen zum Turmbau?« »Ne die Geschichte und deren Moral ist ziemlich einleuchtend. Wenn Du besser sein willst als Gott, wird er Dich mit einer anderen Sprache strafen. In dem Zusammenhang wundert es mich nicht, dass die hochnäsigen Schwaben so komisch sprechen.«
Einen Augenblick sah mich Siegfried verwirrt an. Er wartete anscheinend auf etwas. »Eigentlich wollte ich nachfragen, ob wir heute Nachmittag die Schnipseljagd nachholen werden?«
Über das gesamte Gesicht strahlend sagte Siegfried: »Auf jeden Fall.«
»Dann wäre es vielleicht hilfreich, wenn wir uns heute früh noch einmal im Wald umschauen dürften. Ich war vorgestern fasziniert von der Schönheit des Waldes. Spricht was dagegen, wenn Boris, Anja und ich heute Morgen einen Waldlauf unternehmen?«
Siegfried legte seine Stirn in Falten. Er dachte kurz nach. »Es gibt einige Bereiche, in die solltet ihr nicht gehen. Die eine Ecke grenzt direkt an die Autobahn. Geht dort bitte nicht an die Fahrbahnen.
Außerdem treibt euch bitte nicht am alten Steinbruch herum. Es gibt die merkwürdigsten Gerüchte über diesen Ort.«
»Welche denn?«
»Ich habe mal mit einem älteren Mann im Dorf gesprochen. Er meinte, dass der Steinbruch damals geschlossen wurde, weil sich während der Arbeit, die Erde geöffnet hätte. Vier Arbeiter sind damals ums Leben gekommen. Gott hat die Menschen für ihre Gier bestraft.«
»Wir werden diese Gebiete meiden.«, sagte ich. Während ich das sagte, wurde mein Kopf heiß.
Boris und Anja warteten hinter der Tür. Sie hatten das Gespräch belauscht.
»Hättest Du Herrn Berkowitz gefragt, wäre die Antwort sicherlich anders ausgefallen.«, sagte Boris. Er klopfte mir auf die Schulter.
»Wir sollten los, bevor er sich mit seinem Freund unterhält. Dann könnten wir tatsächlich noch mit einer Absage rechnen.« Anja wedelte ungeduldig mit der Hand.
»Ich muss mich noch umziehen.«, sagte ich. Für den Wald brauchte ich definitiv andere Schuhe als die Hausschuhe, die ich im Moment anhatte.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s