Auf dem Weg zurück planten wir einen ungestörten nächtlichen Ausflug, um das Rätzel der Tür zu lösen. Dabei hatte Boris die gesamte Zeit Angst, dass man uns belauschte. Er blickte sich immer wieder um. 
Zunächst würden wir den Schlüssel zusammensetzen. Dafür hatten wir den gesamten Nachmittag. Das Geländespiel war perfekt. Keiner von uns glaubte, dass wir den Schlüssel schon vorher fertig hatten. Außerdem wäre die Gefahr, dass man uns Nachts folgte, viel geringer. Wir würden auch nicht unter Zeitnot stehen.

Wenn wir später in der Nacht aufbrachen, war es wichtig zu warten, bis die Anderen schliefen. Erst dann konnten wir unbemerkt aus dem Haus entfliehen.
Ich blickte zu Boris. »Die Anderen werden mitkommen wollen. Du hast ihnen gesagt, dass die Sache steigt, sobald das Wetter es zulässt. Sie wollten schon gestern Nacht raus.«
»Ich werde mir etwas einfallen lassen, dass sie ruhig stellt. Wir können heute noch niemand mitnehmen, da wir zunächst die Tür öffnen müssen.«
Wir traten aus dem Wald und konnten das Fußballfeld erkennen, auf dem Daniel gerade eine Attacke gegen die gegnerische Mannschaft lief. Er traf das Tor in der rechten oberen Ecke und der Ball prallte am Pfosten ab.
Herr Berkowitz stand am Spielfeld und beobachtete das Geschehen. Wir versuchten, an ihm vorbeizuschleichen, doch er drehte sich genau in dem Moment um, als wir direkt hinter ihm standen.
»Was habt ihr im Wald gemacht?«, fragte er.
»Wir wollten uns umsehen, damit wir wissen, was uns heute bei der Schnipseljagd erwartet.«
»Ihr wolltet euch einen Vorteil verschaffen?«
»Die Meisten sind schon oft hier gewesen. Sie kennen den Wald auswendig. Es wäre nicht fair, wenn wir Neuen die meisten Probleme hätten.«
Herr Berkowitz sah uns der Reihe nach an. Er hatte die Arme verschränkt und blickte über seine Brille auf uns hinab. Dann schüttelte er den Kopf und sagte: »Ich mag es gar nicht, wenn man sich von der Gruppe absetzt. Wir haben hier eine Freizeit mit vielen Kindern. Wir können nicht auf jeden von euch aufpassen. Das nächste Mal unterlasst bitte solche Alleingänge. Das ist nicht im Sinne einer christlichen Gemeinschaft.«
»Sie meinen es wäre besser, wenn wir alle händchenhaltend zusammen herumturnen würden. Am besten ohne Individualität und Persönlichkeit?« Anja funkelte Herrn Berkowitz böse an.
»Anja, Du kommst aus einer guten Familie. Ich kenne Deine Eltern schon sehr lange, da sie auch zu unserer Gemeinschaft gehören. Sie haben mir Dein Leben anvertraut. Es geht hier nicht um Individualität, sondern darum, dass ich für eure Sicherheit verantwortlich bin. Außerdem mag keiner Außenseiter, die sich nicht in die Gruppe eingliedern wollen.«
Etwas Merkwürdiges geschah mit Anja. Vielleicht hatte sie eingesehen, dass eine weitere Diskussion keine Ergebnisse bringen würde. Auf jeden Fall sagte sie plötzlich: »Ja, Sie haben Recht.«, drehte sich um und ging zum Haus.
Wir folgten ihr.
Boris flüsterte: »Sie mögen keine Außenseiter?«
»Die meisten Christen fühlen sich selbst als Außenseiter in der Welt. Es wäre tragisch, wenn es unter den Außenseitern noch Außenseiter gäbe. Die wären dann schon fast Mainstream.«
Boris schüttelte den Kopf und sagte: »Verstehe ich nicht.«

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