Natürlich wurden wir sofort ins Bett geschickt. Siegfried stellte sicher, dass wir ordnungsgemäß dort ankamen, wo wir nach Meinung von Herrn Berkowitz auch lange hingehörten.
Siegfried schüttelte während des gesamten Wegs seinen Kopf und murmelte: »Das hätte ich nie von euch gedacht. Sowas gab es noch nie.«
Er blieb an unseren Betten stehen, bis er glaubte, dass wir eingeschlafen waren, und verließ erst dann unseren Raum.
Tatsächlich konnte ich in der gesamten Nacht kaum Schlaf finden. Ich fürchtete mich viel zu sehr vor dem nächsten Morgen und der Predigt, die auf uns wartete.
Boris schlief hingegen sofort ein. Ich fragte mich noch lange, wie er das schaffte.
Als ich dann doch noch einschlief, erwachte ich mit einem schlechten Gewissen. Herr Berkowitz stand vor meinem Bett. Er blickte mir prüfend ins Gesicht.
Zunächst dachte ich an einen Alptraum und schloss schnell erneut die Augen.
»Wenn ihr wach seid, dann kommt bitte direkt zum Büro neben dem Speisesaal.«
Die Stimme gehörte Herrn Berkowitz, dessen Gegenwart ich trotz geschlossener Augen spürte.
Ich hörte, wie er die Kammer verließ, und atmete aus.
Boris lehnte sich zu mir hinunter. »Der schien recht sauer zu sein.«
Daniel stand auf einmal neben meinem Bett. »Was habt ihr denn ausgefressen?«
Ich sagte: »Wir waren heute Nacht mit Anja verabredet, allerdings wurden wir erwischt.«
»Ihr wolltet uns doch mitnehmen.« Die Enttäuschung war Jörg anzuhören. »Wir wollten herausfinden, welchen Weg wir für unseren Ausflug zusammen nutzen können. Der Gestern war nicht perfekt.«
»Ich möchte nicht in eurer Haut stecken.«, sagte eine Roboter-Stimme aus dem Off. »Wir werden es überleben.«, sagte Boris mit einem Schulterzucken.
Er war vom Bett gesprungen und gerade dabei seine Hose überzustreifen. Mit erwartungsvoll Blick musterte er mich.
Ich erhob mich schwerfällig. Am liebsten hätte ich mir die Bettdecke über das Gesicht gezogen.
Bevor ich mich angezogen hatten, wartete Boris an der Tür. »Wenn wir uns beeilen, kommen wir vielleicht noch rechtzeitig zum Frühstück.«
Ich sagte: »Deine gute Laune hätte ich jetzt auch gerne.«
Wir rannten die Treppe hinauf und liefen zur Bürotür. Siegfried stoppte uns kurz davor. Er sagte kopfschüttelnd: »Wir hatten euch doch gesagt, das Laufen auf den Gängen nicht gestattet ist.« Dann drehte er sich um und ging ins Büro.
Wir entschuldigten uns.
Anja schritt langsam auf uns zu. Ihr Gesicht strahlte. Sie winkte uns zu. Boris winkte zurück.
»Sag mal,«, flüsterte ich den Beiden zu, »woher nehmt ihr eure Zuversicht?« »Uns kann doch quasi nichts passieren.«, sagte Boris.
»Wenn sie uns bestrafen wollen, sagen sie es unseren Eltern. Die interessieren sich garantiert nicht dafür.«
Als ich an meine Eltern dachte, wurde mir schwer ums Herz. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie die Beiden die Beschwerden aufnehmen würden.

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