Herr Berkowitz bemerkte recht schnell, dass unserer Konzentration auf die Bibelarbeit mit der Ankunft der Bläser verflogen war. Er ließ uns noch zusammen beten, entließ uns allerdings anschließend ohne Nachwort aus dem Saal.
Ich hatte in der hinteren Ecke des Raums gesessen, so dass ich Anja und Boris erst im Flur einholte.
Die Beiden standen vor einem Aushang, den man an die Treppe in den ersten Stock angebracht hatte. Boris hielt beide Hände vor den Mund. Er prustete unregelmäßig durch seine Finger. Anja hatte ein breites Grinsen aufgesetzt.
Ich stellte mich neben sie und las den Zettel:
»An alle Bläserinnen und Bläser. Wer noch keinen Ständer hat, soll in den ersten Stock gehen und sich dort einen runterholen. Das Einblasen findet im großen Saal statt
Ich sah Boris verwirrt an. »Was ist denn an dem Zettel so lustig?«
Jetzt musste auf einmal auch Anja lachen. Ich schüttelte den Kopf. »Ich kann darüber nicht lachen. Obwohl es schon etwas komisch ist, wenn die Bläser ihren eigenen Ständer nicht mitbringen. Ich habe immer meinen Ständer dabei, wenn ich Blasen möchte.«
Boris hielt sich die Arme vor den Bauch und keuchte nur noch. Anja wischte sich ein paar Tränen von der Wange.
Siegfried kam zu uns hinüber und blickte auf den Zettel. Er schüttelte den Kopf. »Das ist vielleicht etwas missverständlich ausgedrückt.«
»Ich weiß immer noch nicht, was daran komisch sein soll. Außerdem ist es doch ganz klar, was das zu bedeuten hat.«
Anja keuchte noch einmal und presste die Worte: »Erklär mir das noch einmal mit Deinem Ständer.«
Boris boxte ihr in die Seite.
Vergnügt sagte ich: »Ich habe so einen kleinen Braunen, der normalerweise ganz klein ist, wenn man ihn transportiert. Ich kann ihn allerdings ausfahren, so dass man sogar im Stehen blasen kann.«
Boris schüttelte sich erneut vor Lachen.
Siegfried sagte: »Jetzt ist aber gut. Ihr pubertierenden Kinder solltet euch nicht über solche Sachen lustig machen.«
»Über welche Sachen?«, fragte ich.
Anja sah mich an und sagte zwischen zwei Prustern: »Du bist und bleibst ein Trottel, Sebi.«
Ich drehte mich um und verließ die Beiden. Anscheinend hatte man mich irgendwo ausgeschlossen, ohne dass ich wirklich verstand, worum es ging.
Als ich in zum Umziehen in unseren Raum zurückging, sah ich aus den Augenwinkeln, wie sich mein Onkel mit Herrn Berkowitz unterhielt. Unser Heimleiter redete auf ihn ein. Seinen Zeigefinger ließ er währenddessen wie einen Taktstock im Raum herumkreisen.
Mein Onkel blickte ernst in die Ferne.
Schnell rannte ich zur Treppe und hinunter zu meinen Sachen.

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3 Kommentare zu „Die Bläserfreizeit

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