Kapitel 7 ist online!

Hallo und herzlich willkommen im Frühling 2017.

Das siebte Kapitel meiner Geschichte ist jetzt online. Ihr findet es oben im Menü oder hier!

Vielleicht fragt sich der ein oder anderen, warum es heute keinen Beitrag gibt.
Das liegt hauptsächlich daran, dass mir der Stoff ausgegangen ist. Mit Frühling hatte ich dieses Jahr etwas zu viel vor. Im Moment mache ich aus dem Stoff ein Buch.
In dem Sinne wird Sommer 2017 etwas auf sich warten lassen.

Ob ich erneut jeden Tag etwas schreibe, wird sich dann zeigen. Mir schwebt diesmal eine Veröffentlichung eines gesamten Kapitels alle 14 Tage vor.

Ich freue mich, über jede Meldung. Wenn Ihr Anregungen habt oder Einwände, wenn euch etwas nicht gefällt, oder Ihr einfach nur labern wollt, dann meldet euch.

Gruß,

SAC

Das Raumschiff

Die Leiter schien endlos. Mir brannten die Beine und die Arme. Julia vor mir stöhnte ebenfalls. Nur Boris war, wie es aussah, guter Dinger.
Nach etlichen Minuten kamen wir an eine kleine Luke in der Decke. Boris schob sie auf und stemmte sich hinauf.
Er reichte Julia die Hand. Sie entschwebte meinem Blick. Dann war ich an der Reihe.
Der Raum hier oben war klein. An den Seiten waren keine Ausgänge zu sehen. Es gab nur eine kleine Falltür in der Decke.
Boris hatte sich schon darunter gestellt. Er stemmte einen Hebel auf, welcher an der Tür befestigt war.
Die Luke sprang nach außen auf. Durch die Öffnung konnte man den Himmel sehen.
»Wir haben es geschafft.« Boris lächelte breit.
»Lass uns erst mal da raus. Wer weiß, was uns noch erwartet.«
Boris sah Julia an. »Kannst du mir eine Räuberleiter geben? Ich komme sonst nicht hoch.«
»Ich mach das schon.«, sagte ich und hielt meine Hände hin.
Boris fasste meine Schulter, hob den Fuß auf meine Hände und drückte sich hoch. Es war, als würde er rausspringen.
Ich sah zu Julia. »Du solltest auch hoch gehen.«
Julia beeilte sich. Sie war genauso schnell wie Boris aus der Kammer. Sowohl Boris, wie auch Julias Kopf erschienen in der Öffnung in der Decke. Sie streckten mir ihre Arme entgegen.
Noch bevor ich meine Unsportlichkeit unter Beweis stellen konnte, wurde ich herausgezogen. Es war fast so bequem wie ein Fahrstuhl.
Wir standen auf einer kleinen Ebene. An einer Seite klaffte ein Felsen, der steil nach unten führte.
Ich ging vorsichtig an den Rand. Unter uns konnte ich die Lichtung sehen, von der wir unser Abenteuer gestartet hatten. Dort unten lag eine Person auf der Erde.
Ich konnte sie nicht genau erkennen. Von irgendwo erschallen Sirenen. In der Ferne blinkte ein blaues flackerndes Licht durch die Nacht.
Plötzlich war über uns ein helles Licht.
Boris klatschte in die Hände. »Wir werden abgeholt! Ihr müsst jetzt nur noch einsteigen.«
Julia sah mich an. Ich sah die Fragen in ihrem Gesicht. »Boris hat ein Raumschiff. Er nimmt uns mit. Ich erkläre Dir Alles, wenn wir in Sicherheit sind.«
»Apropos Sicherheit!«, sagte Boris. Er klappte die Falltür zu und rollte einen schweren Stein auf die Stelle. Dann rollte er noch zwei weitere darüber.
Er lächelte mich an: »Das dürfte genügen.«
Das Licht war jetzt so hell, dass es in den Augen schmerzte. Eine Strickleiter fiel von oben auf uns. Boris packte sie. Er zog sich hoch.
»Erinnere mich bitte daran, dass ich mein restliches Leben keinen Bedarf mehr an Leiter-Klettereien habe. Der Sport ist mir viel zu anstrengend.«
Ich hielt die Leiter fest, bis Julia sich hinaufgezogen hatte. Dann kletterte ich selbst nach oben.
Eine Hand griff nach meiner. Sie zog mich hoch.
Im hellen Licht der Neonröhren blickte ich in ein strahlendes Gesicht voller Sommersprossen. Nur waren diesmal die Haare nicht schwarz, sondern rot. Die Haare waren auch nicht glatt, sondern kräuselten sich zu einer langen Mähne.
Das Mädchen vor mir sagte: »Hallo, ich bin Vera. Das bedeutet Sommer aus albanisch.« Sie deutete auf einen Jungen, der direkt neben ihr stand. »… und das hier ist Johannes. Mir kommt es vor, als hätte ich Dich schon irgendwo mal gesehen.«
Ihr Lächeln wurde noch eine Spur breiter. Sie blinzelte mir zu.
Ich sah überrascht zu Boris. Er zuckte mit den Achseln. »Ich habe nie gesagt, dass ich alleine reise. Das hier sind meine Begleiter.«
Er wand sich an die Rothaarige. »Das hier ist Sebastian und das ist Julia. Anja hat es leider nicht geschafft. Wir werden sie beim nächsten Besuch abholen müssen.«
»Wir müssen sie retten.«, sagte Julia. »Aber zuerst kümmern wir uns um diese Typen in Schwarz. Es wird Zeit, dass jemand etwas gegen die unternimmt.«
Ich lächelte breit.

Die Leiter

Wir kamen nur langsam voran. Nach einer Zeit hatte ich mich Anja zur anderen Seite gestellt.
Der Weg führte mittlerweile steil nach oben. Zu unserem Glück hörten wir hinter uns keine Stimmen.
Es dauerte eine Ewigkeit, bis wir an eine Leiter kamen, die sich in nicht absehbare Höhe erstreckte.
»Wir können vielleicht oben am Steinbruch herauskommen.«, sagte Boris.
»Aber wie schaffen wir Anja da hoch?«
Anja ließ sich am Fuß der Leiter nieder. Sie sah mich an. »Es hat keinen Zweck. Unsere Wege werden sich hier erst einmal trennen.«
Sie nahm die Hände hoch und ich sah, dass sie voller Blut waren.
»Ich habe kaum noch Energie. Es wäre Wahnsinn die Leiter hochzusteigen.«
Ich bückte mich zu ihr. »Wir lassen Dich hier nicht allein zurück.«
»Braucht ihr auch nicht. Ihr habt eine verdammte Zeitmaschine. Damit ist Alles möglich. Also kommt verdammt noch einmal zurück und rettet mich.«
Boris klatschte in die Hände. »Ja genau das machen wir. Wir haben noch genug Zeit, um Dich zu retten.«
Anja lachte heiser auf. »Ich bitte euch allerdings um ein Versprechen. Bitte kümmert euch zunächst um die Männer in Schwarz. Es wäre blöd, wenn wir dieses Problem immer wieder haben. Seid nicht so blauäugig und rennt in die Falle.
Zunächst löst ihr die Sache. Anschließend rettet ihr mich.«
Ich nickte.
Julia sah mich an: »Du kannst Sie doch nicht hier lassen? Wir müssen sie mitnehmen.«
Ich schüttelte den Kopf. Die Männer in Schwarz wollen nur Boris. Wenn sie gleich hier sind, werden sie sich um sie kümmern. Wir müssen jetzt Boris hier rausholen.«
Boris kniete sich nieder. Er umarmte Anja und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Sie lachte auf. Dann nickte sie.
Anschließend umfasste Boris die Leitersprossen.
Daniel sagte: »Ich werde zurückgehen und Hilfe holen. Verschwindet ihr bis dahin von hier.«
Jörg nickte. Er sagte: »Ich werde in der Zeit bei Anja bleiben.«
Boris schüttelte den Kopf. »Ihr habt kein Licht! Ihr werdet euch in der Dunkelheit verlaufen.«
»Wir werden uns etwas einfallen lassen. Wir sind sehr gut darin. Außerdem brauche ich nur der Wand lang.«
Noch bevor jemand ihn stoppen konnte, war Daniel in der Dunkelheit verschwunden.
Boris murmelte: »Dann werden wir die Beiden anscheinend auch retten müssen.« Er schüttelte den Kopf und zog sich hoch.
Zu Julia gedreht sagte ich: »Du solltest als Zweite gehen. Ich werde immer hinter Dir sein.«
Julia sah mich irritiert an. Dann tat sie das, was ich ihr gesagt hatte.
Während sie die ersten Schritte auf der Leite machte, kniete ich mich hin. Ich umarmte Anja. Sie flüsterte: »Das Mädchen ist langweilig. Besorg Dir eine interessantere Frau.« Dann lachte sie auf.
»Du wirst mir auch fehlen.«
Sie sah mir ins Gesicht. »Rettet mich.«
»Wird gemacht.«

Hilfe

Beim Raum mit dem Gold blieb Boris stehen. Er blickte Anja hinterher, die immer noch ihre Barren in der Hand hielt.
»Bleib stehen, ich sollte zunächst das Gold wegbringen. Bringt mir eure Barren.«
Wir legten die Metallblöcke zurück auf die Palette. Daraufhin platzierte er den Apparat, den er aus seiner Hosentasche zog darauf. Anschließend drückte er ein paar Knöpfe.
»Schnell, wir müssen hier raus. Es wäre schade, wenn einzelne Körperteile von uns mittransportiert werden.«
Anja grunzte im Gang. »Wie kannst Du jetzt nur an das Gold denken? Wir müssen hier raus.« Sie schleppte sich langsam an der Wand entlang, fort von dem Raum mit dem Gold.
Boris legte ihren Arm über seine Schulter und stützte sie. Sie zischte, »Da hättest Du auch früher drauf kommen können. Ein Gentleman bist Du nicht unbedingt.«
Wir gingen den schmalen Gang entlang, der sich tiefer in den Berg bohrte. Hinter mir hörte ich ein komisches Geräusch, dass mich an eine Flasche erinnert, aus der man einen nassen Finger zieht.
»Weißt Du, ob Dein Transport erfolgreich war?« »Das werden hoffentlich noch erfahren.«
Julia fasste meine Hand. Ich sah sie an. Ihre Augen waren nass. Daniel und Jörg gingen kurz hinter mir.
»Meinst Du, wir werden dies hier überleben?«
Ich lächelte. »Da bin ich mir sicher. Diese Geschichte haben immer ein Happy End.«
Anja grunzte vor uns. »Wenn ich hier schon verbluten muss und draufgehe, brauche ich mir doch nicht noch diesen theatralischen Kitsch anhören. Entscheidet lieber, welchen Weg wir jetzt nehmen.«
Vor uns tat sich eine riesige Höhle auf. Anscheinend war es doch keine Legende, dass der Steinbruch löchriger war, als ein Naturschwamm. Stalaktiten und Stalagmiten umkreisten uns. Leider war mir entfallen, welche jetzt hängen und welche stehen. Fakt war jedoch, dass der Raum vor uns epische Ausmaße besaß.
Von weit vorne hörte ich das Rauschen, welches ich schon bei unserem ersten Besuch gehört hatte. Am Boden entdeckte ich eine kaum wahrnehmbare Schleifspur, die nach rechts führte. Es sah so aus, als hätte man vor Jahren schwere Gegenstände in diese Richtung geschoben.
Daniel rief: »Da hinten muss ein Bach sein. Wenn wir ins Wasser springen, wird es uns irgendwo wieder an die Oberfläche bringen.«
Anja schüttelte traurig mit dem Kopf. Leise brummte sie: »Woher kommen nur die ganzen Trotteln? Irgendwo hier in der Nähe muss ein Nest sein.«
Dann wand sie sich zu Daniel: »Wenn wir uns in die Fluten stürzen, könnten wir über Stunden unter der Erde sein. Anschließend werden unsere leblosen Körper dann irgendwann an die Oberfläche gespült. Der einzige Grund so etwas zu machen, wäre, wenn man die Quelle eines Flusses mit Leichen vergiften möchte.«
Hinter uns erklang ein Knall. Ich konnte Stimmen hören.
»Sie kommen. Wir müssen uns sofort entscheiden.«, flüsterte Boris.
Ich sprang an Boris und Anja vorbei und zog Julia an meiner Hand mit mir. Entscheidungen waren schon immer meine Lieblingsbeschäftigungen.
»Wir gehen nach rechts. Der Weg sieht mir aus, als wären ihn schon andere Menschen gegangen.«
Anja murmelte: »Diese Entscheidung ist so gut wie jede andere.«

Das Offensichtliche

Irgendwo in der Finsternis fragte Julie: »Hast Du Dich verletzt?«
Anja stöhnte. Ich sagte: »Wo ist Boris mit der Taschenlampe?«
Tiefer im Tunnel antwortete Daniel: »Der ist gerannt, als wäre der Teufel hinter ihm her.«
Anja stöhnte erneut. »Verdammter Mist. Die haben geschossen. Bisher dachte ich, dass dies hier eine Kindergeschichte sei. Warum muss denn bitte gegen Ende alles noch einmal spannend werden?«
Zu Daniel gerichtet sagte ich: »Such Boris. Wir brauchen Licht. Die Tür muss von innen versperrt werden.«
Plötzlich leuchtete es in der Ferne auf.
So laut ich konnte, schrie ich: »Boris! Wir brauchen Dein Licht!«
Die Lampe in der Ferne flackerte. Dann bewegte sie sich zu uns. Ein paar Sekunden später konnte ich Boris erkennen. Er war verschwitzt und weiß, wie die Tunnelwände.
Ich erkannte Jörg und Daniel im Licht der Uhrbeleuchtung. »Was machen wir jetzt?«, fragte Daniel.
Jörg hatte die Augen aufgerissen. »Wir werden hier drin sterben!«
Julia fing an zu weinen.
Anja erhob sich schwerfällig. Sie stöhnte dabei mehrmals. Als ich mich zu ihr umdrehte, sah ich Blut an ihrer Kleidung.
»Was ist passiert? Bist Du verletzt?«
»Blöde Frage. Ich habe das Blut nur so aus Spaß auf meiner Kleidung verteilt, weil ich finde, dass das besser zur Situation passt.«
»Wo bist Du getroffen?«
»Kümmern wir uns erst einmal um die Tür. Wo ist der Schlüssel?«
Ich zog die Kette aus der Hosentasche. Julia schluchzte laut auf. Anjas Stimme war scharf und schneidend. »Wir brauchen hier keine Heulsusen. Krieg Dich ein. Außerdem ist der Schlüssel nicht mehr zu gebrauchen.«
Mit großen Augen sah ich an meiner Hand hinunter. Der Stift hatte nur noch ein Teil, welches an ihm festhing. Die anderen Beiden waren verschwunden. Der dünne Draht, der die Einzelteile verbunden hatte, war gerissen.
Ich schüttelte den Kopf. »Der Rest steckt bestimmt noch im Schlüsselloch.«
Anja stemmte sich an der Wand ab. Ihre Mine war schmerzverzerrt.
Boris sah uns der Reihe nach an. »Wir müssen schnell weiter in die Höhle.«
»Wie immer muss zumindest Einer in solchen Situationen das Offensichtliche aussprechen.« Ich schüttelte mich.
»Kannst Du Dein Raumschiff landen lassen oder uns hineinteleportieren?«, fragte.
»Das Raumschiff wird die Leute nicht vertreiben. Sie werden sich nur irgendwo verstecken. Außerdem wird es nicht besonders erfreulich, wenn wir uns auf 200 Meter teleportieren und dann runterstürzen. Das sind blöde Ideen.«
Anja ging in den Gang hinein. Dabei stemmte sie sich weiter an der Wand ab. »Wir haben jetzt keine Zeit, um einen Workshop zu gründen oder über den Sinn des Lebens nachzudenken. Folgt mir. Wir sollten schauen, ob es hier noch einen Hinterausgang gibt. Wenn wir den finden, sind wir gerettet.«
Boris schüttelte den Kopf. »Wie intelligent wäre es, wenn ein sicheres Versteck zwei Eingänge hätte. Dann müsste man doch zwei Türen sichern.«
»Das hat man teilweise auch gemacht. Jetzt halt die Klappe und folgt mir. Träumt nicht. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Es kann sich nur um Minuten handeln, bis die Idioten da draußen versuchen werden, die Tür zu öffnen.«
Boris schrie: »Nimmt das Gold mit.«

Totales Chaos

Ich spürte eine Bewegung in meinem Rücken. So schnell ich konnte, drehte ich mich um. Meine Freunde wussten noch nichts von dem unheimlichen Empfangskomitee.
Boris preschte im gleichen Augenblick an mir vorbei. Meine Arme waren durch die Last der beiden Barren nicht schnell genug. Ich wollte ihn noch warnen, aber er war schneller.
Er schrie: »Wir haben das Gold.« Dabei hielt er seinen Beweis hoch in die Luft.
Ein wildes Lachen erklang. Ob es von Boris oder von Herrn Berkowitz kam, konnte ich nicht genau sagen. Vielleicht lachten auch Beide gleichzeitig.
Die Zeit schien einzufrieren. Ich sah, wie Herr Berkowitz Grinsen breiter wurde. Seine Brille reflektierte das Licht des Mondes. Einer der Männer mit den weißen Haaren schmiss seine Zigarette weg. Der andere griff in seine Innentasche.
Boris bemerkte die Leute auf der Lichtung. Er ließ die Arme langsam herunter. In seinen Augen sah ich Panik. Er drehte sich um.
Mein Onkel hatte die Augen weit aufgerissen. Siegfried wirbelte zu uns herum.
Boris stieß mich mit seinen Armen zurück zum Tunnel. Seine Stimme überschlug sich.
Er sprang den Anderen, die jetzt im Durchgang stand entgegen. Diese gaben überrascht einen Weg ins Innere frei. Boris zwängte sich zwischen Anja und Julia zurück in die Dunkelheit.
Mir schoss ein Gedanke in den Kopf. Boris hatte nach dem Öffnen den Schlüssel vergessen. Es wäre reichlich dämlich diesen im Schloss steckte zu lassen. Wir sollten die Tür hinter uns verriegeln.
Eine mir unbekannte Stimme schrie: »Stehengeblieben. Sofort stehenbleiben«
Dann knallte etwas so laut, dass es mir in den Ohren klingelte.
Ich wirbelte herum. Einer der Schwarzgekleideten hielt eine Waffe in der Hand. Der Andere rannt auf uns zu.
Die beiden Goldbarren waren jetzt nicht mehr wichtig. Ich schmiss sie in den Tunnel, zu Füßen meiner Freunde. Danach griff ich nach der Tür. Sie hakte erneut.
»Anja ich brauche Deine Hilfe. Die Tür.«
Anja sprang hervor und griff nach der Tür. Ich schrie »Warte!«
Schnell eilte ich um die Tür herum. Ich griff nach dem Schlüssel. Zunächst musste ich den Schlüssel drehen. Als ich merkte, dass er lockerer wurde, zog ich an ihm.
Ein weiterer Schuss durchschnitt die Luft. Irgendetwas zischte an meinem Kopf vorbei. Es schlug auf die Metallplatte der Tür auf und zog eine silberne Bahn aus hellen Funken.
Anja schrie.
Er klemmte. Das verdammte Ding ließ sich nicht rausziehen.
Ich griff mit meiner anderen Hand nach dem Schlüssel. Er war locker, hakte aber irgendwo.
Mit einem Ruck zerrte ich an ihm. Nach einem knirschenden Geräusch hatte ich den Schlüssel in der Hand. Ich ließ das Amulett in meine Hosentasche gleiten.
Anschließend griff ich mit beiden Händen nach der Tür. An ihr klebte etwas, sodass ich zunächst keinen richtigen Halt finden konnte. Anjas Hände waren oberhalb meiner.
Ich zerrte, so fest ich konnte an der Tür. Mit einem quietschendem Geräusch von Metall auf Metall setzte sich der schwere Türflügel in Bewegung.
Außer Atem sagte Anja: »Eh Trottel – bevor wir Deine Verletzung behandeln müssen, vergiss nicht, Deine Finger im letzten Augenblick wegzuziehen. Sonst gibt es Schaschlik.«
Die Tür gab auf den letzten Zentimeter nach und nahm Schwung auf. Im richtigen Moment ließ ich los. Anja und ich fielen zurück auf den Boden.
Mit einem Donnern wie bei einem Gewitter, das direkt über einem steht, schlug die Tür ins Schloss.
Von Außen trommelten zwei zornige Hornissen auf das Metall.
Der Duft von verbrannten Schießpulver lag in der Luft.
Anja und ich lagen in der Dunkelheit.

Das Gold der Nazis

Als wir die Lichtung betraten, übernahm Boris die Führung. Er lenkte unsere kleine Gruppe zur Geheimtür. Wir eilten ihm im Gänsemarsch hinterher. Man konnte unsere Anspannung spüren. Keiner wusste, was als Nächstes passieren würde.
Siegfried war nach hinten gefallen. Er beschwerte sich bei meinem Onkel. Soweit ich hörte, war er nur hier, um zu beweisen, dass es keinen Geist gab. Eine merkwürdige Tür stand nicht auf seinem Programm. Mein Onkel versuchte, ihn zu besänftigen. In seiner Stimme fand ich die gleiche Anspannung, die sich auch in mir breitgemacht hatte.
Boris sprang um den Baum. Dann war er verschwunden. Siegfried schrie erschreckt auf. Ohne auf seinen Einwand zu warten, folgten alle Kinder ihrem Anführer.
Ich stand hinter der Gruppe, die Boris umringte, als er seine Kette hervorzog.
Obwohl die Lichtung durch den Mond grell erhellt wurde, war hier im Schatten des Baums und der Büsche kaum etwas zu erkennen. Boris musste nach dem Schlüsselloch tasten. Niemand hätte vermutet, dass hier eine Tür war.
Siegfried, der als Letzter zu uns gestoßen war, reckte seinen Hals, um noch etwas zu sehen. Er war still geworden.
Als Boris das Schlüsselloch gefunden hatte, führte er seinen Anhänger zur Tür.
Mit einem Klicken öffnete sich ein Spalt im Stein. Mein Onkel ließ die Luft mit einem Pfeifen ausströmen. Siegfried wischte sich über die Augen.
Julia fasste nach meiner Hand. Sie flüsterte: »Die Tür öffnet sich.«
»Ist jetzt nicht so, als würde ich das nicht sehen.«
Ich biss mir sofort auf die Unterlippe. In Gegenwart von Julia sollte ich daran arbeiten auf das Aussprechen von Offensichtlichem nicht grundsätzlich allergisch zu reagieren.
Boris drehte sich zu uns um. »Ich bekomme die Tür nicht weiter auf.«
Anja sprang zu ihm. »Wir hatten auch das Problem. Man benötigt etwas Gewalt, um sie aufzumachen.«
Siegfried räusperte sich. »Ihr kennt diesen Durchgang schon?«
Ich ließ Julias Hand los, sprang nach vorn und zog ebenfalls an der Tür. Unter dem Zug von drei Personen, gab die Tür nach. Sie glitt mit einem Stöhnen auf.
Anja ging im Eingang in die Hocke. Mit einem Griff ins Dunkle fasste sie den Barren, den sie vorher fallengelassen hatte. Sie richtete sich wieder auf und hielt das Gold in den Himmel.
Mein Onkel steuerte auf sie zu. Er nahm ihr das schwere Metall ab und wog es in seiner Hand. Dann führte er es zum Mund und biss hinein.
»Das ist Gold. Ich bin mir sicher.«
Siegfried sprang ihm zur Seite.
Boris gab mir ein Handzeichen und wir folgten ihm ins Innere. Daniel, Jörg, Anja und Julia waren ebenfalls dabei.
Mit einer kurzen Bewegung am Handgelenk schaltete Boris ein Licht an seiner Uhr an, welches den Tunnel in ein gelbliches, künstliches Licht hüllte. »So lange sich die Beiden vor der Tür noch darüber unterhalten, was für einen merkwürdigen Fund wir gemacht haben, holen wir uns den Rest aus dem Tunnel.«
Anja sagte: »Ich weiß, wo wir suchen müssen. Es ist nicht besonders weit. Folgt mir einfach.«
Sie ging den Gang entlang, bis zu einer weiteren geöffneten Tür. Der Weg ins Innere des Hügels, machte vor der Tür eine 90° Biegung nach rechts und verschwand in der Dunkelheit. Aus weiter Entfernung hörte ich das Rauschen erneut.
Hinter der Tür, die vor uns lag, war ein kleiner Raum, in dem eine Palette stand. Auf der Palette war irgendetwas gestapelt. Auf dem Stapel lag ein Tuch. Das Tuch war an einer Seite nach oben gerutscht. Darunter konnte man die Umrisse von Goldbarren erkennen.
Boris rannte darauf zu. Er strich über den Schatz.
»Willst Du ihn jetzt in Dein Raumschiff beamen?«, fragte ich.
»Sei nicht blöd. Ich muss erst einmal mein Raumschiff rufen.«
Julia flüsterte: »Was für ein Raumschiff?«
Ich flüsterte zurück: »Du wirst schon sehen.«
Boris packte sich zwei Barren. »Wir müssen die erst einmal zur Tür transportieren. Wenn mein Taxi gelandet ist, bräuchte ich eure Hilfe, um das Gold einzuladen.«
Boris wirkte auf mich, wie eine Biene auf Speed. Seine Bewegungen waren überspannt. Sein Lächeln umfasste sein gesamtes Gesicht. Wenn es möglich war, lachte er gerade mit seinem gesamten Körper.
Siegfried schrie vom Anfang des Tunnels irgendetwas in unsere Richtung. Er hatte keine Taschenlampe mitgebracht. Die Chancen, dass er uns nicht folgte, waren gut.
»Sie wollen wohl, dass wir zurückkommen. Wir sollten ihnen eine Überraschung mitbringen. Jeder von euch packt sich zwei Barren und wir gehen zurück.«
Wie Boris das angeordnet hatte, nahm ich zwei Barren und machte mich auf den Weg zurück. Als ich aus dem Tunnel hinausschauen konnte, waren Siegfried und mein Onkel verschwunden.
Ich trat vor die Tür und blickte mich suchend um.
Durch den Baum und die Büsche konnte ich auf die Lichtung blicken.
Im Mittelpunkt der Lichtung standen mein Onkel und Siegfried. Hinter ihnen stand Herr Berkowitz mit einem wahnsinnigen Lächeln auf den Lippen. Gleich hinter ihm standen zwei Männer in schwarzen Anzügen. Trotz der Nacht hatten sie ihre Sonnenbrille aufgesetzt.

Auf dem Weg

Boris weckte mich. Er deutete auf seine Uhr. Ich schreckte auf. »Das ist die zweite Nacht, die mir versaut wird. Ich hatte gerade einen sehr schönen Traum.«
»Den kannst Du nachholen, falls wir zurückkommen.«
»Falls?«
»Wenn alles glatt läuft, willst Du doch mit ins Raumschiff?«
Mein Kopf summte. Eigentlich hatte ich mir die Frage gar nicht mehr gestellt. Was wäre, wenn Julia nicht mitkommen wollte? Würde ich dann lieber hierbleiben? Sie wusste noch gar nichts von dem Raumschiff. Vielleicht wollte sie nicht mit? Was würden meine Elter dazu sagen, wenn ich einfach so verschwinden würde? Würde mein Onkel mich aufhalten?
All diese Fragen schossen in meinem Kopf herum. Der Wunsch das Weltall zu sehen und Abenteuer zu bestehen war allerdings viel stärker. Die Fragen drängten sich in den Hintergrund. Auf meinem Gesicht breitete sich ein Lächeln aus. »Natürlich komme ich mit.«
»Anja ist sich da genauso sicher.«
Daniel und Jörg rührten sich in ihren Betten. Sie standen ganz plötzlich neben Boris und schauten zu mir hinunter.
Ich erhob mich langsam und sagte: »Ihr geht mir mittlerweile stark auf die Nerven mit eurer Eile. Gibt es eigentlich keinen Zeitpunkt, in dem ihr nicht die Ersten sein wollt?«
Daniel lachte. »Bei Einschlafen lassen wir uns Zeit.«
»Na prima«, sagte Boris, »das haben wir gemerkt. Bisher ward ihr immer die Ersten, die schnarchten.«
Ich hielt mir den Zeigefinger vor den Mund. Mit dem anderen zeigte ich auf Heiko, der immer noch im Bett lag. »Wir sollten ihn nicht aufwecken.«
So still wir konnten, zogen wir uns an. Erst als wir den Raum verlassen hatten, sagte Boris: »Jetzt kann die Partie steigen.«
Daniel und Jörg blieben stehen. Daniel hielt Boris am Arm. »Was habt ihr eigentlich vor?«
»Ich habe meinen Onkel in unseren Plan eingeweiht. Er weiß, dass wir das Gold holen wollen. Wenn wir es finden, bringen wir es vor die Tür. Boris wird dann sein Raumschiff landen lassen oder einen Transporter benutzen. Wir werden improvisieren.«
Daniel nickte. Jörg sagte: »Der Plan ist löchriger als ein Naturschwamm. Wenn ich improvisieren höre, wird mir schlecht.«
»Uns ist auf die Schnelle kein besserer Plan eingefallen. Fällt Dir einer ein?«, sagte Boris. Er schien verärgert zu sein und hatte die Fäuste in seine Seiten geballt.
»Schon gut. Wir werden sehen, was passiert.«
Als wir in die Eingangshalle kamen, warteten dort Siegfried und mein Onkel schon auf uns. Schweigend gesellten wir uns zu ihnen.
Siegfried schüttelte den Kopf. »Je länger ich über die Nachtwanderung nachdenke, desto weniger gefällt sie mir. Ihr müsst mir auf jeden Fall versprechen, immer in meiner Nähe zu bleiben.«
Noch bevor wir es versprechen konnten, erschienen an der anderen Seite der Halle Anja und Julia. Meine Onkel winkte sie zu sich.
Als sie beide aufgeschlossen hatten, wiederholte Siegfried seine Worte. »Ihr müsst mir versprechen, immer bei mir zu bleiben.«
Mein Onkel lachte. »Du musst Dir nicht immer so viele Sorgen machen, Siegfried. Wo sollen die Kinder denn anders hin?«
»Der Steinbruch ist gefährlich.«
»Das wird immer erzählt. Du warst doch selbst oft genug da. Ist Dir jemals etwas Gefährliches aufgefallen?«
»Wenn sie von einem Geist gehört haben, dann könnte sich Satan dort aufhalten.«
»Meinst Du, der hat nichts Besseres vor, als an verlassenen Orten zu spuken?«
Siegfried nickte. Er drehte sich auf der Verse um. Dann öffnete er die Tür.
Er ließ mein Onkel vorgehen, anschließend schickte er uns heraus. Als Letzter schloss er die Tür hinter sich. Er drehte sich zu uns um.
»Wir bleiben in der Reihenfolge. Du gehst vor,«, er nickte meinen Onkel zu, »danach folgen die Kinder und ich bleiben hinten.«
Mein Onkel nickte.
Wir brauchten nicht einmal zehn Minuten bis zum Steinbruch. Wenn man sich an den Weg hielt, konnte man die Strecke enorm abkürzen. Unsere Umwege kosteten uns bisher immer sehr viel Zeit.
Der Platz und die Felswand lagen in einem weißen Mondlicht vor uns. Julia fasste nach meiner Hand. Sie flüsterte: »Gibt es hier einen Geist?«
Ich drückte ihre Hand ganz fest. »Wenn es welche gibt, werde ich auf Dich aufpassen.«
Anja, die direkt hinter mir stand und mich gehört haben musste, brach plötzlich in schallendes Gelächter aus. Boris kam schnell zu ihr. »Was war denn?«
»Ich musste gerade an einen Hamster denken, der sich siegessicher vor einen Zug wirft um ihn aufzuhalten.«
»Was ist daran lustig?«
Anja deutete auf mich. »Sein Gesichtsausdruck.«

Einschlafen

Boris und Anja waren sauer, dass ich meinen Onkel eingeweiht hatte. Nach längerer Diskussion zeigten sie dafür jedoch den Anflug von Verständnis. »Es ist besser, wenn einer der Erwachsenen auf unserer Seite ist. Damit lassen sich die Ereignisse besser steuern. Hätten wir auf einer Gespenstersuche plötzlich Gold gefunden, wüssten wir nicht genau, wie die beiden reagiert hätten. Jetzt ist einer von ihnen schon vorbereitet.«
Die Singrunde am Abend war wie ein Traum. Julia stand an meiner Seite. Ihre Stimme klang so schön, dass ich fast vergessen hätte mitzusingen. Bevor wir auf unsere Zimmer gingen, schärfte ich Anja ein, dass sie Julia auf jeden Fall wecken sollte. Ich wollte sie dabei haben. Anja verdrehte die Augen, sagte jedoch, dass sie es machen würde.
Boris zeigte mir im Zimmer einen Apparat. Dieser bestand aus zwei fingerdicken Rohren, die mit einem Drahtgeflecht aneinander verbunden waren. In der Mitte des Geräts war eine Batterie angebracht.
»Ist das eine Bombe?«
»Die beiden Spulen sind im Inneren der Rohre installiert. Betätigt man den Auslöser, erzeugen sie ein ca. 3 m großes Magnetfeld in einem größeren Magnetfeld. Durch die Abstimmung können die Gegenstände im Inneren getunnelt werden. Es ist der Prototyp meiner Erfindung.«
»Was willst Du damit machen?«
»Wenn irgendetwas schief läuft, kann ich das Gold damit auf mein Schiff transportieren. Ich mach das allerdings sehr ungern. Die Parameter müssten perfekt aufeinander abgestimmt sein. Der Zeitfaktor macht mir einige Sorgen. Es wäre sicherer, wenn wir das Gold selbst aufs Schiff befördern.«
»Das Schiff bewegt sich doch auch. Wie kannst Du den Ort berechnen?«
»Der Ort ist kein Problem. Den gibt mein Schiff per Funk direkt an das Gerät durch. Wie schon gesagt, ist die Zeit weitaus problematischer. Es könnte passieren, dass das Gold neben dem Schiff in der Luft auftaucht, anstatt darin. Wir würden dann in einem Goldregen stehen. In einem Regen voller Goldbarren wäre das weniger lustig. Alles hängt davon ab, ob sich das Schiff während des Transportes bewegt. Eigentlich sollte es auch schon vorher ein paar Minuten still gehalten haben.«
Ich lag schon im Bett. In meinen Gedanken ging ich den Plan erneut durch. Noch bevor ich die Überlegungen jedoch abschließen konnte, war ich eingeschlafen.

Der letzte Abwasch

Anja hatte eine Augenbraue sowie einen Mundwinkel schief nach oben gezogen. Sie schüttelte den Kopf.
Ich klatschte in die Hände. »Das klingt doch Alles sehr plausibel. Wenn Du mich fragst, sind die Theorien wasserdicht. Ich frage mich, warum man sowas nicht im Physikunterricht lernt.«
»Ich verstehe nur böhmische Dörfer. Er hätte uns den größten Mist erklären können. Wenn man nicht mehr weiterweiß, hilft immer Techno-Gebrabbel.«
»Es ist kein Gebrabbel, sondern Physik. Man kann es nachlesen.«
Boris warf ein weiteres Glas in den Schaum. Er stocherte wild mit der Bürste in dem Becken herum.
Die Tür der Küche schwang auf. Mein Onkel betrat den Raum. Er strahlte über das gesamte Gesicht. »Ich freue mich schon auf unsere Wanderung. Das wird bestimmt spannend. Ich habe so etwas schon seit bestimmt 20 Jahren nicht mehr gemacht.«
Er trat zu Boris und griff in seine Tasche. Etwas klimperte darin.
Langsam zog er die Kette heraus, an denen vier Teile gegeneinanderschlugen. Boris bekam große Augen. »Wie?«, fragte er.
Mein Onkel lachte. »Ich habe mit Wilhelm gesprochen. Es war nicht leicht, ihn zu überzeugen, letztendlich hat er dann allerdings doch eingewilligt. Ich habe ihm allerdings nicht davon erzählt, dass Du den Anhänger als Talisman nutzt. Dafür würde er kein Verständnis zeigen.«
Fassungslos betrachtete ich den Schlüssel. Boris nahm ihn meinem Onkel vorsichtig aus den Händen.
Mein Onkel wollte gerade wieder gehen, als ich ihn stoppte. »Ich habe Siegfried nicht die gesamte Wahrheit gesagt.« Mein Kopf wanderte schuldbewusst nach unten. Meine Schultern sackten ab.
Mein Onkel betrachtete mich lange. »Was ist denn?«
»In dem alten Steinbruch gibt es tatsächlich einen Schatz. Er liegt hinter einer geheimen Tür.«
Boris trat mir auf den Fuß. Anja stand plötzlich eng an meiner Seite.
Kleinlaut sagte ich: »Wir wollen den Schatz holen.«
»Und was ist mit dem Geist?«
»Den gibt es wirklich. Er bewacht den Schatz. Der Geist ist allerdings nicht so wichtig. Wir wollen das Gold dafür benutzen, dass Boris Eltern ihre Schulden abbezahlen können.«
Mein Onkel sah Boris an. »Ist das die Wahrheit?«
Boris sah mich für eine kurze Zeit imitiert an. Dann nickte er in die Richtung meines Onkels.
Ich sagte: »Sein Vater hat bei einem russischem Verbrecher Geld geliehen, welches er dringend für seinen Laden brauchte. Die Kerle wollen das Geld jetzt zurück. Ihnen ist jedes Mittel recht. Sie waren schon zweimal hier, um Boris zu entführen.«
»Du meinst, das waren die Leute im Anzug?«
»Ja das waren sie. Wenn wir das Gold finden würden, könnte Boris Vater sie bezahlen.«
Ich bemerkte die Blicke von Boris und Anja, die mich ansahen.
Mein Onkel sagte: »Dort gibt es keinen Schatz.«
Anja fiel ihm ins Wort. »Doch da ist ein Schatz. Ich habe ihn gesehen. Wir können das beweisen.«
Ich nahm den Anhänger aus Boris Hand. Mit ein paar geschickten Bewegungen zauberte ich daraus erneut den Schlüssel. Ich hielt ihn in die Höhe. »Dies hier ist der Schlüssel zur geheimen Tür. Anja und ich waren schon drin. Es gibt das Gold. Wir können es uns holen. Boris wäre endlich in Sicherheit. Das war es, was wir in den Nächten machen wollten.«
Mein Onkel schüttelte den Kopf. Er sah mich an. »Was soll ich jetzt machen?«
»Ich weiß nicht. Bitte erzähl Siegfried nichts davon. Besonders Herr Berkowitz darf davon nichts wissen. Ich weiß nicht, wie er reagieren würde.«
»Er wird ausflippen, wenn wir das Gold vor ihm finden. Er hat als Kind jeden Sommer danach gesucht. Ich verspreche Dir allerdings, nichts davon zu erzählen. Für Siegfried ist es besser, wenn er an den Geist glaubt. Außerdem würde es mich freuen, Wilhelm vor vollendete Tatsachen zu stellen.«
Mein Onkel lachte und klatschte seine Hand gegen die Tischplatte. »Das wird eine lustige Wanderschaft. Wenn wir das Gold finden, werde ich dafür sorgen, dass ihr ein ganz besonderes Essen bekommt.«