Boris weckte mich. Er deutete auf seine Uhr. Ich schreckte auf. »Das ist die zweite Nacht, die mir versaut wird. Ich hatte gerade einen sehr schönen Traum.«
»Den kannst Du nachholen, falls wir zurückkommen.«
»Falls?«
»Wenn alles glatt läuft, willst Du doch mit ins Raumschiff?«
Mein Kopf summte. Eigentlich hatte ich mir die Frage gar nicht mehr gestellt. Was wäre, wenn Julia nicht mitkommen wollte? Würde ich dann lieber hierbleiben? Sie wusste noch gar nichts von dem Raumschiff. Vielleicht wollte sie nicht mit? Was würden meine Elter dazu sagen, wenn ich einfach so verschwinden würde? Würde mein Onkel mich aufhalten?
All diese Fragen schossen in meinem Kopf herum. Der Wunsch das Weltall zu sehen und Abenteuer zu bestehen war allerdings viel stärker. Die Fragen drängten sich in den Hintergrund. Auf meinem Gesicht breitete sich ein Lächeln aus. »Natürlich komme ich mit.«
»Anja ist sich da genauso sicher.«
Daniel und Jörg rührten sich in ihren Betten. Sie standen ganz plötzlich neben Boris und schauten zu mir hinunter.
Ich erhob mich langsam und sagte: »Ihr geht mir mittlerweile stark auf die Nerven mit eurer Eile. Gibt es eigentlich keinen Zeitpunkt, in dem ihr nicht die Ersten sein wollt?«
Daniel lachte. »Bei Einschlafen lassen wir uns Zeit.«
»Na prima«, sagte Boris, »das haben wir gemerkt. Bisher ward ihr immer die Ersten, die schnarchten.«
Ich hielt mir den Zeigefinger vor den Mund. Mit dem anderen zeigte ich auf Heiko, der immer noch im Bett lag. »Wir sollten ihn nicht aufwecken.«
So still wir konnten, zogen wir uns an. Erst als wir den Raum verlassen hatten, sagte Boris: »Jetzt kann die Partie steigen.«
Daniel und Jörg blieben stehen. Daniel hielt Boris am Arm. »Was habt ihr eigentlich vor?«
»Ich habe meinen Onkel in unseren Plan eingeweiht. Er weiß, dass wir das Gold holen wollen. Wenn wir es finden, bringen wir es vor die Tür. Boris wird dann sein Raumschiff landen lassen oder einen Transporter benutzen. Wir werden improvisieren.«
Daniel nickte. Jörg sagte: »Der Plan ist löchriger als ein Naturschwamm. Wenn ich improvisieren höre, wird mir schlecht.«
»Uns ist auf die Schnelle kein besserer Plan eingefallen. Fällt Dir einer ein?«, sagte Boris. Er schien verärgert zu sein und hatte die Fäuste in seine Seiten geballt.
»Schon gut. Wir werden sehen, was passiert.«
Als wir in die Eingangshalle kamen, warteten dort Siegfried und mein Onkel schon auf uns. Schweigend gesellten wir uns zu ihnen.
Siegfried schüttelte den Kopf. »Je länger ich über die Nachtwanderung nachdenke, desto weniger gefällt sie mir. Ihr müsst mir auf jeden Fall versprechen, immer in meiner Nähe zu bleiben.«
Noch bevor wir es versprechen konnten, erschienen an der anderen Seite der Halle Anja und Julia. Meine Onkel winkte sie zu sich.
Als sie beide aufgeschlossen hatten, wiederholte Siegfried seine Worte. »Ihr müsst mir versprechen, immer bei mir zu bleiben.«
Mein Onkel lachte. »Du musst Dir nicht immer so viele Sorgen machen, Siegfried. Wo sollen die Kinder denn anders hin?«
»Der Steinbruch ist gefährlich.«
»Das wird immer erzählt. Du warst doch selbst oft genug da. Ist Dir jemals etwas Gefährliches aufgefallen?«
»Wenn sie von einem Geist gehört haben, dann könnte sich Satan dort aufhalten.«
»Meinst Du, der hat nichts Besseres vor, als an verlassenen Orten zu spuken?«
Siegfried nickte. Er drehte sich auf der Verse um. Dann öffnete er die Tür.
Er ließ mein Onkel vorgehen, anschließend schickte er uns heraus. Als Letzter schloss er die Tür hinter sich. Er drehte sich zu uns um.
»Wir bleiben in der Reihenfolge. Du gehst vor,«, er nickte meinen Onkel zu, »danach folgen die Kinder und ich bleiben hinten.«
Mein Onkel nickte.
Wir brauchten nicht einmal zehn Minuten bis zum Steinbruch. Wenn man sich an den Weg hielt, konnte man die Strecke enorm abkürzen. Unsere Umwege kosteten uns bisher immer sehr viel Zeit.
Der Platz und die Felswand lagen in einem weißen Mondlicht vor uns. Julia fasste nach meiner Hand. Sie flüsterte: »Gibt es hier einen Geist?«
Ich drückte ihre Hand ganz fest. »Wenn es welche gibt, werde ich auf Dich aufpassen.«
Anja, die direkt hinter mir stand und mich gehört haben musste, brach plötzlich in schallendes Gelächter aus. Boris kam schnell zu ihr. »Was war denn?«
»Ich musste gerade an einen Hamster denken, der sich siegessicher vor einen Zug wirft um ihn aufzuhalten.«
»Was ist daran lustig?«
Anja deutete auf mich. »Sein Gesichtsausdruck.«

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s