Als wir die Lichtung betraten, übernahm Boris die Führung. Er lenkte unsere kleine Gruppe zur Geheimtür. Wir eilten ihm im Gänsemarsch hinterher. Man konnte unsere Anspannung spüren. Keiner wusste, was als Nächstes passieren würde.
Siegfried war nach hinten gefallen. Er beschwerte sich bei meinem Onkel. Soweit ich hörte, war er nur hier, um zu beweisen, dass es keinen Geist gab. Eine merkwürdige Tür stand nicht auf seinem Programm. Mein Onkel versuchte, ihn zu besänftigen. In seiner Stimme fand ich die gleiche Anspannung, die sich auch in mir breitgemacht hatte.
Boris sprang um den Baum. Dann war er verschwunden. Siegfried schrie erschreckt auf. Ohne auf seinen Einwand zu warten, folgten alle Kinder ihrem Anführer.
Ich stand hinter der Gruppe, die Boris umringte, als er seine Kette hervorzog.
Obwohl die Lichtung durch den Mond grell erhellt wurde, war hier im Schatten des Baums und der Büsche kaum etwas zu erkennen. Boris musste nach dem Schlüsselloch tasten. Niemand hätte vermutet, dass hier eine Tür war.
Siegfried, der als Letzter zu uns gestoßen war, reckte seinen Hals, um noch etwas zu sehen. Er war still geworden.
Als Boris das Schlüsselloch gefunden hatte, führte er seinen Anhänger zur Tür.
Mit einem Klicken öffnete sich ein Spalt im Stein. Mein Onkel ließ die Luft mit einem Pfeifen ausströmen. Siegfried wischte sich über die Augen.
Julia fasste nach meiner Hand. Sie flüsterte: »Die Tür öffnet sich.«
»Ist jetzt nicht so, als würde ich das nicht sehen.«
Ich biss mir sofort auf die Unterlippe. In Gegenwart von Julia sollte ich daran arbeiten auf das Aussprechen von Offensichtlichem nicht grundsätzlich allergisch zu reagieren.
Boris drehte sich zu uns um. »Ich bekomme die Tür nicht weiter auf.«
Anja sprang zu ihm. »Wir hatten auch das Problem. Man benötigt etwas Gewalt, um sie aufzumachen.«
Siegfried räusperte sich. »Ihr kennt diesen Durchgang schon?«
Ich ließ Julias Hand los, sprang nach vorn und zog ebenfalls an der Tür. Unter dem Zug von drei Personen, gab die Tür nach. Sie glitt mit einem Stöhnen auf.
Anja ging im Eingang in die Hocke. Mit einem Griff ins Dunkle fasste sie den Barren, den sie vorher fallengelassen hatte. Sie richtete sich wieder auf und hielt das Gold in den Himmel.
Mein Onkel steuerte auf sie zu. Er nahm ihr das schwere Metall ab und wog es in seiner Hand. Dann führte er es zum Mund und biss hinein.
»Das ist Gold. Ich bin mir sicher.«
Siegfried sprang ihm zur Seite.
Boris gab mir ein Handzeichen und wir folgten ihm ins Innere. Daniel, Jörg, Anja und Julia waren ebenfalls dabei.
Mit einer kurzen Bewegung am Handgelenk schaltete Boris ein Licht an seiner Uhr an, welches den Tunnel in ein gelbliches, künstliches Licht hüllte. »So lange sich die Beiden vor der Tür noch darüber unterhalten, was für einen merkwürdigen Fund wir gemacht haben, holen wir uns den Rest aus dem Tunnel.«
Anja sagte: »Ich weiß, wo wir suchen müssen. Es ist nicht besonders weit. Folgt mir einfach.«
Sie ging den Gang entlang, bis zu einer weiteren geöffneten Tür. Der Weg ins Innere des Hügels, machte vor der Tür eine 90° Biegung nach rechts und verschwand in der Dunkelheit. Aus weiter Entfernung hörte ich das Rauschen erneut.
Hinter der Tür, die vor uns lag, war ein kleiner Raum, in dem eine Palette stand. Auf der Palette war irgendetwas gestapelt. Auf dem Stapel lag ein Tuch. Das Tuch war an einer Seite nach oben gerutscht. Darunter konnte man die Umrisse von Goldbarren erkennen.
Boris rannte darauf zu. Er strich über den Schatz.
»Willst Du ihn jetzt in Dein Raumschiff beamen?«, fragte ich.
»Sei nicht blöd. Ich muss erst einmal mein Raumschiff rufen.«
Julia flüsterte: »Was für ein Raumschiff?«
Ich flüsterte zurück: »Du wirst schon sehen.«
Boris packte sich zwei Barren. »Wir müssen die erst einmal zur Tür transportieren. Wenn mein Taxi gelandet ist, bräuchte ich eure Hilfe, um das Gold einzuladen.«
Boris wirkte auf mich, wie eine Biene auf Speed. Seine Bewegungen waren überspannt. Sein Lächeln umfasste sein gesamtes Gesicht. Wenn es möglich war, lachte er gerade mit seinem gesamten Körper.
Siegfried schrie vom Anfang des Tunnels irgendetwas in unsere Richtung. Er hatte keine Taschenlampe mitgebracht. Die Chancen, dass er uns nicht folgte, waren gut.
»Sie wollen wohl, dass wir zurückkommen. Wir sollten ihnen eine Überraschung mitbringen. Jeder von euch packt sich zwei Barren und wir gehen zurück.«
Wie Boris das angeordnet hatte, nahm ich zwei Barren und machte mich auf den Weg zurück. Als ich aus dem Tunnel hinausschauen konnte, waren Siegfried und mein Onkel verschwunden.
Ich trat vor die Tür und blickte mich suchend um.
Durch den Baum und die Büsche konnte ich auf die Lichtung blicken.
Im Mittelpunkt der Lichtung standen mein Onkel und Siegfried. Hinter ihnen stand Herr Berkowitz mit einem wahnsinnigen Lächeln auf den Lippen. Gleich hinter ihm standen zwei Männer in schwarzen Anzügen. Trotz der Nacht hatten sie ihre Sonnenbrille aufgesetzt.

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