Irgendwo in der Finsternis fragte Julie: »Hast Du Dich verletzt?«
Anja stöhnte. Ich sagte: »Wo ist Boris mit der Taschenlampe?«
Tiefer im Tunnel antwortete Daniel: »Der ist gerannt, als wäre der Teufel hinter ihm her.«
Anja stöhnte erneut. »Verdammter Mist. Die haben geschossen. Bisher dachte ich, dass dies hier eine Kindergeschichte sei. Warum muss denn bitte gegen Ende alles noch einmal spannend werden?«
Zu Daniel gerichtet sagte ich: »Such Boris. Wir brauchen Licht. Die Tür muss von innen versperrt werden.«
Plötzlich leuchtete es in der Ferne auf.
So laut ich konnte, schrie ich: »Boris! Wir brauchen Dein Licht!«
Die Lampe in der Ferne flackerte. Dann bewegte sie sich zu uns. Ein paar Sekunden später konnte ich Boris erkennen. Er war verschwitzt und weiß, wie die Tunnelwände.
Ich erkannte Jörg und Daniel im Licht der Uhrbeleuchtung. »Was machen wir jetzt?«, fragte Daniel.
Jörg hatte die Augen aufgerissen. »Wir werden hier drin sterben!«
Julia fing an zu weinen.
Anja erhob sich schwerfällig. Sie stöhnte dabei mehrmals. Als ich mich zu ihr umdrehte, sah ich Blut an ihrer Kleidung.
»Was ist passiert? Bist Du verletzt?«
»Blöde Frage. Ich habe das Blut nur so aus Spaß auf meiner Kleidung verteilt, weil ich finde, dass das besser zur Situation passt.«
»Wo bist Du getroffen?«
»Kümmern wir uns erst einmal um die Tür. Wo ist der Schlüssel?«
Ich zog die Kette aus der Hosentasche. Julia schluchzte laut auf. Anjas Stimme war scharf und schneidend. »Wir brauchen hier keine Heulsusen. Krieg Dich ein. Außerdem ist der Schlüssel nicht mehr zu gebrauchen.«
Mit großen Augen sah ich an meiner Hand hinunter. Der Stift hatte nur noch ein Teil, welches an ihm festhing. Die anderen Beiden waren verschwunden. Der dünne Draht, der die Einzelteile verbunden hatte, war gerissen.
Ich schüttelte den Kopf. »Der Rest steckt bestimmt noch im Schlüsselloch.«
Anja stemmte sich an der Wand ab. Ihre Mine war schmerzverzerrt.
Boris sah uns der Reihe nach an. »Wir müssen schnell weiter in die Höhle.«
»Wie immer muss zumindest Einer in solchen Situationen das Offensichtliche aussprechen.« Ich schüttelte mich.
»Kannst Du Dein Raumschiff landen lassen oder uns hineinteleportieren?«, fragte.
»Das Raumschiff wird die Leute nicht vertreiben. Sie werden sich nur irgendwo verstecken. Außerdem wird es nicht besonders erfreulich, wenn wir uns auf 200 Meter teleportieren und dann runterstürzen. Das sind blöde Ideen.«
Anja ging in den Gang hinein. Dabei stemmte sie sich weiter an der Wand ab. »Wir haben jetzt keine Zeit, um einen Workshop zu gründen oder über den Sinn des Lebens nachzudenken. Folgt mir. Wir sollten schauen, ob es hier noch einen Hinterausgang gibt. Wenn wir den finden, sind wir gerettet.«
Boris schüttelte den Kopf. »Wie intelligent wäre es, wenn ein sicheres Versteck zwei Eingänge hätte. Dann müsste man doch zwei Türen sichern.«
»Das hat man teilweise auch gemacht. Jetzt halt die Klappe und folgt mir. Träumt nicht. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Es kann sich nur um Minuten handeln, bis die Idioten da draußen versuchen werden, die Tür zu öffnen.«
Boris schrie: »Nimmt das Gold mit.«

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11 Kommentare zu „Das Offensichtliche

      1. Das Dilemma geht ja noch viel tiefer. Ich hatte eingesehen, dass meine Schreiberei noch keine Qualität hatte, um veröffentlicht zu werden. Ich wollte schauen, ob es trotzdem Potential genug hat, um bei Leuten Interesse zu wecken.
        So wie es aussieht, werde ich ab demnächst tatsächlich publiziert. Zwar „nur“ in der Werkszeitung, da erreiche ich allerdings auch ein Publikum.
        Außerdem bin ich vom letzten Text selbst sehr überzeugt. Diesen Frühling hätte ich als Buch an einen Verlag schicken können. Er hat schon enorm viel Potential.
        Jetzt wird es allerdings Niemand verlegen, weil es schon veröffentlicht wurde. Ich kann das Buch nur noch selbst veröffentlichen.
        Die Frage lautet daher – wie mache ich weiter?
        Ich liebe die Charaktere und will dort weiter machen. Gehe ich jetzt den Weg der Selfpublisher auf Amazon?
        Was passiert dann hier? Wirklich schwierig.

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      2. Ich kann Dich beruhigen – ich hab keine Sorgen. Und viel haben ist relativ. Es reicht mir und ich bin zufrieden. Es steht nur eine Entscheidung an. Stell Dir vor, Du hast ein Instrument gelernt. Irgendwann bekommst Du super Feedback. Man lässt Dich in einem Chor Soli spielen. Einige behaupten vielleicht sogar, dass eine Kariere als Profi-Musik denkbar wäre.
        Was machst Du?
        Ganz so schlimm ist es bei mir nicht. Es besteht nicht die Gefahr, mit Büchern bei Dieter Bohlen aufzutreten. Ich träume nicht davon professioneller Autor zu werden. Geld verdiene ich auf andere Art.
        Es ist eher eine Frage der Zeit. Bücher kosten Zeit. Der Blog ist eher Fastfood. Also schreibe ich jetzt intensiv und qualitativ oder schnell und fertig?
        Schwere Frage aber kein Problem, was mich belastet. Ich muss mich nur entscheiden. 😉

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      3. Unzufriedenheit ist meiner Meinung eine Antriebsfeder der Menschheit. Sie ist für unseren Fortschritt unentbehrlich. Wären Menschen einfach immer zufrieden, würden sie nie etwas ändern wollen. Das wäre nicht gut, denn es wäre ein dummer Stillstand. Deshalb ist es gut, dass wir unzufrieden sind.
        Allerdings muss man das immer relativieren. Mir geht es gut. Ich bin halbwegs gesund, hab nen tollen Job, zwei super Kinder, die ideale Frau – was sollte ich mir mehr wünschen? Im Vergleich zu anderen bin ich überreich beschenkt. Das ist das Wichtigste in meinem Leben. Das Hobby ist ein Luxus Problem. Es gibt nichts worüber ich mir Sorgen machen darf. Dafür geht es mir zu gut.
        Meine Frau liegt mir allerdings auch in den Ohren mit: „Du schreibst so gut, warum verkaufst Du das nicht mal? Willst Du nicht bekannt werden? Warum verschenkst Du Dein Talent, wenn Du auch was davon haben kannst?“
        Es geht ihr glaube nicht um das Geld, sondern ums Prinzip. Warum nicht größer und besser, wenn man es machen könnte?

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