Die Leiter schien endlos. Mir brannten die Beine und die Arme. Julia vor mir stöhnte ebenfalls. Nur Boris war, wie es aussah, guter Dinger.
Nach etlichen Minuten kamen wir an eine kleine Luke in der Decke. Boris schob sie auf und stemmte sich hinauf.
Er reichte Julia die Hand. Sie entschwebte meinem Blick. Dann war ich an der Reihe.
Der Raum hier oben war klein. An den Seiten waren keine Ausgänge zu sehen. Es gab nur eine kleine Falltür in der Decke.
Boris hatte sich schon darunter gestellt. Er stemmte einen Hebel auf, welcher an der Tür befestigt war.
Die Luke sprang nach außen auf. Durch die Öffnung konnte man den Himmel sehen.
»Wir haben es geschafft.« Boris lächelte breit.
»Lass uns erst mal da raus. Wer weiß, was uns noch erwartet.«
Boris sah Julia an. »Kannst du mir eine Räuberleiter geben? Ich komme sonst nicht hoch.«
»Ich mach das schon.«, sagte ich und hielt meine Hände hin.
Boris fasste meine Schulter, hob den Fuß auf meine Hände und drückte sich hoch. Es war, als würde er rausspringen.
Ich sah zu Julia. »Du solltest auch hoch gehen.«
Julia beeilte sich. Sie war genauso schnell wie Boris aus der Kammer. Sowohl Boris, wie auch Julias Kopf erschienen in der Öffnung in der Decke. Sie streckten mir ihre Arme entgegen.
Noch bevor ich meine Unsportlichkeit unter Beweis stellen konnte, wurde ich herausgezogen. Es war fast so bequem wie ein Fahrstuhl.
Wir standen auf einer kleinen Ebene. An einer Seite klaffte ein Felsen, der steil nach unten führte.
Ich ging vorsichtig an den Rand. Unter uns konnte ich die Lichtung sehen, von der wir unser Abenteuer gestartet hatten. Dort unten lag eine Person auf der Erde.
Ich konnte sie nicht genau erkennen. Von irgendwo erschallen Sirenen. In der Ferne blinkte ein blaues flackerndes Licht durch die Nacht.
Plötzlich war über uns ein helles Licht.
Boris klatschte in die Hände. »Wir werden abgeholt! Ihr müsst jetzt nur noch einsteigen.«
Julia sah mich an. Ich sah die Fragen in ihrem Gesicht. »Boris hat ein Raumschiff. Er nimmt uns mit. Ich erkläre Dir Alles, wenn wir in Sicherheit sind.«
»Apropos Sicherheit!«, sagte Boris. Er klappte die Falltür zu und rollte einen schweren Stein auf die Stelle. Dann rollte er noch zwei weitere darüber.
Er lächelte mich an: »Das dürfte genügen.«
Das Licht war jetzt so hell, dass es in den Augen schmerzte. Eine Strickleiter fiel von oben auf uns. Boris packte sie. Er zog sich hoch.
»Erinnere mich bitte daran, dass ich mein restliches Leben keinen Bedarf mehr an Leiter-Klettereien habe. Der Sport ist mir viel zu anstrengend.«
Ich hielt die Leiter fest, bis Julia sich hinaufgezogen hatte. Dann kletterte ich selbst nach oben.
Eine Hand griff nach meiner. Sie zog mich hoch.
Im hellen Licht der Neonröhren blickte ich in ein strahlendes Gesicht voller Sommersprossen. Nur waren diesmal die Haare nicht schwarz, sondern rot. Die Haare waren auch nicht glatt, sondern kräuselten sich zu einer langen Mähne.
Das Mädchen vor mir sagte: »Hallo, ich bin Vera. Das bedeutet Sommer aus albanisch.« Sie deutete auf einen Jungen, der direkt neben ihr stand. »… und das hier ist Johannes. Mir kommt es vor, als hätte ich Dich schon irgendwo mal gesehen.«
Ihr Lächeln wurde noch eine Spur breiter. Sie blinzelte mir zu.
Ich sah überrascht zu Boris. Er zuckte mit den Achseln. »Ich habe nie gesagt, dass ich alleine reise. Das hier sind meine Begleiter.«
Er wand sich an die Rothaarige. »Das hier ist Sebastian und das ist Julia. Anja hat es leider nicht geschafft. Wir werden sie beim nächsten Besuch abholen müssen.«
»Wir müssen sie retten.«, sagte Julia. »Aber zuerst kümmern wir uns um diese Typen in Schwarz. Es wird Zeit, dass jemand etwas gegen die unternimmt.«
Ich lächelte breit.

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