Text zum Thema Tod

In der letzten Zeit habe ich mich etwas mit dem Ende auseinandergesetzt. Den folgenden Text hätte ich gerne zu meiner Beerdigung vorgelesen, die hoffentlich noch in weiter Ferne liegt.


Für viele Menschen ähnelt das Leben dem Reality TV – im schlimmsten Fall einer Folge »Frauentausch«.
Mein Leben würde ich eher mit dem Fernsehsender Pro7 vergleichen.
Sollte ich tatsächlich den Sender überlegen (was hoffentlich der Fall ist), möchte ich hier kurz erklären, dass sich der Sender dadurch auszeichnete, dass er höchstens einmal die Woche eine neue Episode einer meist abgegriffenen Serie zeigte. Der Rest des Programms war eine einzige riesige Wiederholung.
Als ich zum ersten Mal Pro7 sah, war ich begeistert. So viel Spaß hatte ich lange nicht. Mit der Zeit wurde es jedoch langweilig. Es ist wie immer: Es zählt immer nur das erste Mal.
Wer denkt nicht wehmütig an seinen ersten Kuss, die erste Liebe, das legendäre Erste Mal, die erste Pommes zurück? Danach sucht man verzweifelt das Gefühl zurückzubekommen.
Heute schalte ich meist gar nicht mehr Pro7 ein.
Leider ist das bei meinem Leben nicht ganz so einfach. Fast jeder Tag gleicht dem anderen. Die Probleme werden teilweise variiert, bleiben trotzdem meist im Kern die gleichen.
Abgeschaltet habe ich mich oft. Dann lass ich den Autopiloten übernehmen.
Es ist nicht so, als wollte ich Schluss machen. Dafür ist es immer noch recht witzig. Es macht Spaß zu leben. Immer in der Hoffnung, dass doch noch etwas Innovatives passiert. Irgendetwas noch nie Dagewesenes (vielleicht gibt es doch noch die nächste Pommes-Revolution?).
Leider trifft man immer wieder auf die gleiche Langeweile.
Wie mache ich es jungen Leuten klar, dass der Schmerz den sie momentan spüren, jeder Mensch in seinem Leben spüren wird?
Liebeskummer, Trauer, Versagensängste – erzähl mir was Neues.
Man möchte verzweifelt nach oben blicken und gegen den Himmel schreien: »Leg endlich mal ne neue Platte auf!«
Bringen würde es nix.
Ganz ehrlich, es ist gut, zu wissen, dass das Leben ein Ende hat.
Stellt euch einmal vor, ihr müsstet bis in alle Ewigkeit arbeiten, putzen, kochen, Kinder wickeln…
Das wäre die Hölle – jedenfalls meine persönliche Vorstellung davon. Deshalb kann ich auch niemand verstehen, der nach einem ewigen Leben strebt.
Ist den Leuten bewusst, was sie sich wünschen?
Ein Freud sagte einmal: »Ist es nicht schön zu wissen, dass die gesamte Scheiße einmal ein Ende hat?«
Ich glaube fest daran, dass er Recht hat. Wir haben eine Erlösung. Wir sollten sie auch als das verstehen, was sie ist – ein Ausweg aus viel Langeweile – je mehr Langeweile desto länger wir leben.
Jetzt mal ganz ehrlich, würde man mein Leben verfilmen, würden kein Mensch dafür Geld ausgeben, um den Film zu sehen. Man müsste es auf zwei Stunden kürzen, dann wäre es vielleicht ein Hit, mit viel Spaß und einer grandiosen Liebesgeschichte.
Mein ganz normaler Arbeitstag wäre dafür in Tierarztpraxen zum endgültigen Einschläfern geeignet.
Heult also nicht rum, wenn ich nicht mehr seien sollte. Ich habe endlich Frieden gefunden.


Welche Texte würdet ihr auf eurer Beerdigung gerne vorgelesen?

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Ein Kommentar zu „Text zum Thema Tod

  1. Au Mann, das liest sich aber sehr trostlos.
    Wie wäre es, wenn du was an deiner Langeweile änderst?
    Das muss ja nicht spektakulär sein. Jeder Tag bietet so viel.
    Generell würde man von mir sagen, dass ich eine total langweilige Person bin. Ich bin erst zwei Mal umgezogen und habe dabei nur einmal die Adresse gewechselt. Mein Leben ist stabil. Ich bin seit über dreißig Jahren mit dem gleichen Kerl zusammen. Mehr Langeweile geht kaum. Und doch ist mein Leben total bewegt und gleicht einer Achterbahnfahrt. Ich erlebe dennoch viel und genieße das Leben.
    Das wünsche ich dir, dass du die Langeweile überwinden kannst und dein Leben einem spannenden Action-Film näher kommt.

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