Kapitel 5 – Online

Nur eine kurze Mitteilung. Wer das letzte Kapitel (5) noch einmal im Ganzen lesen möchte, kann dieses jetzt hier finden.

Es hat wie immer etwas gedauert, dass ich eine Zusammenfassung hinbekommen habe, allerdings schreibe ich auch schon wie ein Wahnsinniger an Frühling und jede Unterbrechung fällt mir wirklich schwer.
Nach dem Feedback von Alice Wunder, für das ich mich hier erst einmal herzlich bedanken möchte, wird Frühling tatsächlich ein Rückblick auf eins der wahnsinnigsten und unglaubwürdigsten eigenen Abenteuer, die ich selbst je erlebt habe.

Das Rückmeldung von Critical Pixie steht noch aus und ich zittere vor ihrer harschen Kritik (trägt sie doch eben diese schon im Namen).

Im Frühling erlebt ihr etwas, was zu über 50 % autobiographisch ist und nur zu vielleicht gerade mal 50 % völlig aus der Luft gegriffen und übertrieben wurde (ich hatte euch ja gewarnt). Wie gesagt, nach den Schreib-Dilettanten, deren Podcast ich jedem angehenden Schreiber ans Herz lege, stellen biographische Einflüsse ein absolutes Tabu dar. Die Gefahr, dass das eigene Erleben gar nicht mal so interessant ist, wie man es selbst empfindet, ist einfach zu groß. Allerdings geben die Beiden auch jedem neuen Autor den Tipp „Krimis“ zu schreiben, da die sich in Deutschland am Besten verkaufen lassen. Dieser Ratschlag wurde ebenfalls von mir in den Wind geschlagen.
Was soll ich sagen – ich bin einfach unbelehrbar.

Ich danke auf jeden Fall jedem, der hier regelmäßig reinschaut und meine Geschichten verfolgt. Ihr seid die Besten. Vielen Dank.

Gruß,

SAC

Sandkastenspiele

Da war ein verdammter Sandkasten und ich wusste sofort, was ich damit anfangen konnte. Es gelang mir instinktiv, etwas zu formen, dabei fehlten mir sogar die Hände. Uruhra stand gelangweilt in einer Ecke und sagte, wobei sie mir dabei zusah, wie ich immer wieder neue Formen schuf und sie danach wieder verwarf: »Braucht ihr mich noch oder kann ich gehen?«
Herbst antwortete, noch bevor ich sie erlösen konnte: »Was kann man hier noch machen?«
»Es gibt eine Menge Abenteuer, die allerdings meist noch nicht fertig sind und einige Bugs enthalten.«
»Woher weißt Du das?«
»Der Gott, der mich schuf, hat mir das Wissen gegeben. Er gab mir die Bestimmung, hilfreich zu sein, für alle die nach ihm kommen, und er gab mir den Auftrag mir hier alles anzuschauen.«
»Warum nennst Du ihn Gott?«
Hätte ich einen Kopf, hätte ich ihn an dieser Stelle immer wieder geschüttelt. Das Gespräch drehte sich arg in eine Richtung, die mir nicht gefiel. Außerdem konnte ich mich bei dem Gelaber nicht konzentrieren.
Ich sagte: »Uhura? Wir melden uns, wenn wir weitere Fragen haben. Jetzt ist es erst einmal genug – danke Dir.«
Die Stimme von Herbst hatte einen schneidenden Unterton. Ich weiß nicht genau, wie er es bewerkstelligte – meine Stimme hatte im Moment keinerlei Modulation. »Meinst Du nicht, dass wir so viel wie möglich über unsere Umgebung erfahren sollten?«
»Vielleicht sollten wir erst einmal probieren, was mit dem Sand in dieser Box möglich ist. Danach können wir anfangen unsere Umgebung zu erkunden. Ich hätte nur gerne Augen dazu.«
Uhura löste sich auf und noch während sie das machte, sagte sie: »Ihr wisst ja, wie ihr mich erreicht.«
Langsam erschien vor meinem Geist ein Körper, der mir gefiel. Er hatte nicht ganz so viel Masse, wie mein aktueller realer Körper und war wesentlich muskulöser, aber trotzdem gefiel mir, was dort entstand.
Mit Knete bin ich normalerweise sehr unbeholfen. Hier gab es jedoch Routinen, die das Formen eines menschlichen Körpers vereinfachten.

Da draußen

»Gibt es keine wichtigeren Themen, außer unseren Körpern?« Herbst klang entnervt. Anscheinend sah er keinerlei Probleme darin, dass wir keine deutlichen Umrisse zeigten. Als ich kurz darüber nachdachte, musste ich ihm recht geben.
Ich sagte: »Gibt es einen Weg nach draußen?«
Unsere Helferin sah stirnrunzelnd zu mir, auch wenn ich in diesem Fall nicht vorhanden war. Sie sagte: »Was ist draußen?«
»Ich meine, gibt es einen Weg aus dem System?«
»Tut mir leid, ich kann diese Frage nicht beantworten. Sicherlich kann man eure Programme löschen, dann sind sie nicht mehr da – das scheint mir allerdings etwas endgültig und weniger erstrebenswert.«
»Der Tod ist für alle Menschen ziemlich endgültig, auch wenn einige etwas anderes behaupten. Das meinte ich allerdings nicht. Ich meinte: Wie verlässt man diese Umgebung?«
»Das sind wir – unser Betriebssystem! Was sollte es anderes geben?«
Herbst sagte: »Es gibt doch auch das Internet. Das hat doch ein anderes Betriebssystem.«
Es war etwas schwierig, ohne Augen mit eben diesen zu rollen, und der Versuch machte mich schwindelig. Ich sagte: »Das Internet hat kein Betriebssystem. Im Grunde sind Browser so etwas wie Übersetzer eines geschriebenen Textes. Sie holen die Seiten, die auf anderen Rechnern und Festplatten abgelegt sind und bilden sie ab. Das Internet brauch kein OS, nur eine einheitliche Sprache.
Deshalb ist die Idee von einer KI im Internet auch so abwegig – wenn ich jetzt darüber nachdenke. Was auch immer Du jagst, lebt irgendwo anders.«
Uhura wirkte immer verwirrter. Ich versuchte, Beruhigung in meine Stimme zu legen, was mir nicht gelang, denn ich hatte momentan keine Stimmbänder.
»Du weißt bestimmt, dass es noch andere Betriebssysteme gibt. Gibt es einen Weg, zu diesen zu gelangen?«
»Es gibt andere Betriebssysteme?« Sie blickte mich kurz neugierig an, zuckte dann aber mit den Achseln.
Resigniert sagte ich: »Bis uns eine andere Idee kommt – könntest Du uns bitte in die Entwicklungsumgebung bringen?«
Ganz plötzlich standen wir in einer Art Sanitärraum. Die Wände waren gekachelt. Allerdings fehlten die Waschgelegenheiten und die Toiletten. Dafür war an einer Seite ein riesiger Sandkasten im Boden eingelassen.

Kapitel 5: Der dunkle Raum

Wir standen in einem dunklen Raum. Dabei war jedes Wort des letzten Satzes genaugenommen eine Lüge.
Es gab kein ›Wir‹ mehr. Das Gefühl war das gleiche, wie wenn man die Augen geschlossen hielt. Ich konnte Herbst neben mir schmecken, allerdings hatte man mich gerade vertauscht. Nichts von dem was ich fühlte, war wirklich ich. In diesem Augenblick erkannte ich mich selbst nicht mehr. Nur das Bewusstsein sagte mir, dass Herbst neben mir war.
Wir schwebten in einer Leere, die so hell war, wie ein eingeschalteter Fernseher, der kein Signal bekommt. Hier herrschte eine elektronische Finsternis, die von innen beleuchtet wurde.
Worte flossen wie Quecksilber durch den Raum. Sie waren so hell, dass sie sich in mein Ego bohrten. »Wo sind wir hier?«
Unbewusst antwortete ich: »Das muss das System sein. Wir sind außerhalb eines Programms.«
»Und was können wir hier machen?«
»Ich habe weder eine Ahnung, was wir hier machen können, noch wie wir es bewerkstelligen.«
Vielleicht waren Gedanken die Bedienungsebene, die wir hier nutzen mussten. Ich dachte das Wort »Hilfe!«. Das hatte sich schon damals bei DOS Programmen bewährt. Gab man ein Fragezeichen an, so konnte man alle zur Verfügung stehenden Befehle erhalten.
Unvermittelt tauchte neben uns die Silhouette einer jungen Frau auf. Sie war durchsichtig, als hätte man den Charakter in einem Spiel noch nicht aktiviert.
Mit Erstaunen musste ich feststellen, dass vor uns Lieutnant Nyota Uhura stand, die etwas sauertöpfisch auf den Punkt starrte, an dem wir flogen.
Sie sagte: »Was habt ihr Schwachköpfe jetzt wieder angestellt? Ihr verhaltet euch wie ein Rudel Waschbären in einer Großküche. Sobald man euch aus den Augen lässt, richtet ihr das größte Chaos an, welches man sich vorstellen kann. Ihr braucht keine Hilfe, ihr braucht einen Babysitter.«
»Für den Anfang wäre es nett, erst einmal seine Körper wieder zu haben.«
»Da kann ich euch nicht helfen. Wenn ihr hier Körper braucht, dann müsstet ihr sie selbst programmieren. Ich könnte euch in die Entwicklungsumgebung bringen, wenn ihr sie nicht selbst findet.«

Der Ausweg?

Ein Zucken ging durch Herbst Körper. Er sah mich aus blutunterlaufenden Augen an, an denen Tränen klebten. Dann sagte er: »Das Mistding hat nicht bekommen, was er in meinem Schädel suchte.«
Etwas verwirrt sagte ich: »Was meinst Du damit?«
»Während ich diese unglückliche Perücke aufhatte, schossen mir immer wieder Gedanken und Erinnerungen durch den Kopf. Es war so, als suchte man darin, wie in einer Suchmaschine.«
»Ich dachte, es würde Dein Gehirn aussaugen.«
»Das ist auch irgendwie das Gleiche. Es versuchte krampfhaft, alle Erinnerungen ans Tageslicht zu bringen. Ich kämpf dagegen an und konzentrierte mich auf etwas Anderes.«
»Du hast es mit schönen Gefühlen umgebracht?«
»Ich glaub, es ist an der Flut von Informationen gestorben. Normale Menschen haben Erinnerungen an höchstens 100 Jahre. Die meisten davon nehmen sie noch nicht einmal aktiv auf. Das Ding hier hatte niemals die Kapazität, die meine Erinnerungen besitzen, mal ganz davon ab, dass ich kein menschliches Gehirn habe.«
»Es hat sich also totgefressen. Ich hoffe, dass mir das nicht irgendwann passiert.«
»Ich hoffe, es hat seinen Kollegen gesagt, dass ich nicht lecker bin. Dann haben wir keine Probleme den Raum zu durchqueren.«
Langsam erhob sich Herbst, während ich ihm hilfreich meine Hand anbot, die er natürlich nicht ergriff. Statt dessen sah er mich an, als hätte ich gerade seine Ehre beschmutzt.
Er klopfte Dreck von seiner Kleidung und ging dann durch den Raum, während ich hinter ihm herging und unsere Köpfe nach allen Seiten gegen die Gehirnscanner mit meinem Laserpointer abschirmte.
Als er an der Tür angelangt war, sagte er: »Da müssen wir rein. Kurz vor seinem Tod bzw. seiner Fehlfunktion, hat mich dieser Scanner noch sehen lassen, wie wir hier rauskommen. Der Ausgang ist hinter dieser Tür.«
Aus einer Ecke des Raums hörte ich ein Summen, welches sich so anhörte, als würde 20.000 Mücken zu einem Angriff blasen.
»Egal was Du machst, aber bitte mach es schnell. So viele von den Dingern werde ich nicht abhalten können.«, sagte ich, während ich auf die Tür wies.
Herbst zog an dem Türknauf und öffnete die Tür. Blitzschnell sprangen wir durch den Schlitz und schlossen sie hinter uns.
Erst danach konnten wir uns umschauen.

Supermarkt Bewaffnung

Herbst schrie auf und zuckte spastisch mit den Beinen. Er lag jetzt rücklings auf der Erde. Sein Schrei brachte die anderen Parasiten zu mir, die ich nacheinander ausschalten musste. Zum Glück reichte es aus, zwei bis drei aus der Luft zu schießen, um die restlichen in die Flucht zu jagen. Doch meine Treffsicherheit wurde immer schlechter.
Seine Stimme war nur noch ein Flüstern, als er sagte: »So welche Schmerzen hatte ich noch nie. Das ist so, als wollte man mir mein Gehirn durch einen Strohhalm aus den Ohren saugen.«
Dann flimmerte die Umgebung. Es war nur ein kurzer Augenblick, aber der Raum blinkte, als hätte man einen alten Röhrenfernseher ausgeschaltet, nur um ihn direkt wieder anzumachen.
»Ich glaub, es geht los. Du musst nur noch kurz durchhalten, dann kommen wir in ein anderes Abenteuer.«
»Ich kann nicht mehr aushalten. Mein Hirn wird flüssig!«
Als er das letzte Wort gesprochen hatte, veränderte sich die Umgebung schlagartig. Es waren keine großen Veränderungen, wie bei unserem letzten Sprung in eine neue Welt oder ein Wechsel, wie er passierte, wenn man mit einer Jahreszeit durch den Raum reiste.
Einzelne Gegenstände wechselten ihre Farben. Einige wurden schwarz, obwohl sie sich vorher nahtlos in den weißen Raum angeglichen hatten. Ein Tisch wechselte seine Form – aus rund wurde eckig. Die großen Röhren im Zentrum wurden durchsichtig und verblassten anschließend vollständig.
Um alle Unterschiede aufzunehmen, wendete ich meinen Kopf und musste feststellen, dass die Tür zum Aufzug fehlte. Anstelle dieser Tür war auf der anderen Seite des Raums eine Holztür entstanden.
Das Gebilde auf dem Kopf von Herbst war nicht länger zweidimensional flach, sondern hatte Auswüchse wie Spinnenbeine, die sich an der Schädeldecke mit kleinen Widerhaken festhielten und einen schlanken Leib aus Stahl. Ein einzelnes elektronisches Auge sah mich blinkend an.
Die anderen fliegenden Dinger waren jetzt auch wieder da. Sie segelten mit durchsichtigen Flügeln auf mich zu.
Ich ergriff die Waffe, die jetzt nicht mehr ganz so futuristisch aussah. Sie glich vielmehr einem Lesegerät von der Supermarktkasse. Zum Glück funktionierte es wie vorher.
Herbst schrie erneut und das Ding auf seinem Kopf fiel von ihm ab.

Angriff der außerirdischen Gehirnfresser

Herbst sagte: »Igitt, was ist denn das?« Dann griff er sich an den Kopf und versuchte seine neue unförmige Mütze zu entfernen.
»Das ist eine Hommage an die Classic Serie. In einer der Folgen kamen diese außerirdischen Parasiten vor, die einen gesamten Planeten entvölkert hatten. Leider kann ich mich nicht daran erinnern, wie man sie entfernt.
Witzig ist, dass Futurama die Idee von Gehirnfressern ebenfalls aufgriff und sie in den Gehirnschnecken und den fliegenden Gehirnen wiederbelebte. Soweit ich mich erinnern kann, starben sie ab, sobald sie mit dem Gehirn des Protagonisten in Berührung gerieten. Er war viel zu dumm für die Schmarotzer.«
»Das hilft uns jetzt auch nicht weiter. Mach irgendetwas – das ist wirklich unbequem.«
Für einen Bruchteil eines Moments langte ich zu meinem Phaser, verwarf die Idee dann jedoch wieder.
Dann griff ich nach dem Pfannkuchen, der wohlig schmatzte und versuchte meine Hand, unter den Rand zu bekommen. Das Resultat war, dass mich das Vieh tatsächlich biss. Warum hat ein Pfannkuchen an den Rändern Zähne?
Der Biss tat weh und ich schrie auf.
Mein Schrei hatte Leben in die anderen flachen, braunen Geschöpfe gebracht. Sie lösten sich von der Decke und aus den Augenrändern beobachtete ich ihren Flug auf meinen Kopf zu.
Blitzschnell riss ich den Phaser nach oben und schoss. Zwei von den UFOs konnte ich abwehren, während ein drittes angsterfüllt das Weite suchte. Ich schoss noch dreimal danach, dann wendete ich mich wieder Herbst zu.
Dieser hatte sich auf den Boden gesetzt und versuchte mit aller Kraft seine neue Mörder-Duschhaube zu entfernen. Sein Gesicht war verzerrt, voller Anstrengung und Schmerzen.
Plötzlich kam mir eine Idee. »Du solltest Dich nicht dagegen wehren. Vielleicht ist das der Weg nach draußen. Wenn Du stirbst werden wir einfach in ein neues Abenteuer gesaugt und wenn dies noch nicht programmiert ist, könnten wir vielleicht sogar fliehen.«
Herbst stöhnte und sagte: »Das tut extrem weh. Es ist, als wolle mir jemand den Kopf von innen sprengen. Mag sein, dass sich bei euch Kopfschmerzen so anfühlen. Ich hatte dieses Vergnügen noch nicht. Es wird jede Sekunde schlimmer.«

Immer das Gleiche

Immer wenn wir eine Tür erreichten, schritt ich auf sie zu und blickte hinein. Zweimal schaute ich in den verlassenen und verstaubten Lagerraum, in dem man noch die Abdrücke der letzten Expedition an den kahlen Stellen am Boden erkennen konnte, und weitaus öfter erblickte ich die Brücke.
Obwohl wir keine Abzweigung nahmen, kamen wir immer an diesen zwei Räumen vorbei. Herbst tippte mir auf die Schulter und sagte: »Ist dies Raumschiff kugelförmig?«
»Es sieht eher aus wie ein Bügeleisen mit merkwürdigen Flügeln.«
»Dann kann ich mir kaum erklären, warum wir immer nur zwei Räume sehen.«
»Ich hätte mir so gerne den Maschinenraum angesehen. Vielleicht sollten wir wirklich mal einen der vielen anderen Gänge benutzen.«
Herbst nickte und bog direkt an der nächsten Ecke unvermittelt nach rechts ab.
Dieser Gang war nicht sehr lang und endete vor einer Tür. Diese schwang nicht sofort auf, als wir davor standen. Anstatt dessen, erklang ein merkwürdiges Grummeln, welches immer lauter zu werden schien.
Dann öffnete sich die Tür doch noch und gab einen Blick in einen kleinen Aufzug frei. Ich kannte das Teil aus unzähligen Folgen. Misstrauisch blickte Herbst in den kleinen Raum und sagte: »Das sieht mir merkwürdig aus. In einer Zukunft, in der man sich Beamen kann, benutzt man weiterhin Aufzüge?«
»Die sind sicherer als das Beamen.«
»Irgendwie passt das nicht zusammen.«
»Vielleicht bringt uns das Ding ja in den Maschinenraum?«
Zusammen standen wir im Aufzug und warteten darauf, dass irgendetwas passierte. Nach ein paar Minuten sagte ich: »Aufzug? Bitte zum Maschinenraum.«
Die Türen schlossen sich vor meiner Nase.
»Anscheinend haben sie hier eine Sprachsteuerung eingebaut. Ich kann mich nicht daran erinnern, ob sie in der Fernsehserie sowas hatten.«
Die Fahrt war kaum wahrnehmbar und schon öffnete sich die Tür vor uns.
Der Raum war merkwürdig ruhig. Vor einem Schaltpult saß jemand, der so aussah, als würde er schlafen. Meine Instinkte überschlugen sich gleichzeitig. Schnell blickte ich mich im Raum um. Oben an der Decke konnte ich Pfannenkuchen-Artige Gebilde sehen, die merkwürdig pulsierten und ein kaum wahrnehmbares Schmatzgeräusch von sich gaben.
Blitzschnell fasste ich nach Herbst, um ihn in den Fahrstuhl zurück zu ziehen, doch ich war zu spät. Er stand schon im Raum. Irgendetwas löste sich von der Decke und landete unsanft auf seinem Kopf.

Wo sind wir?

Nach gut einer viertel Stunde sah mich Herbst an und sagte: »Überlichtgeschwindigkeit ist ja ganz toll. Aber sollten wir nicht langsam irgendwo ankommen?«
Lieutnant Uhura betätigte die Knöpfe auf ihrem Mischpult so schnell, dass mir vom Zusehen schwindelig wurde. Dabei wirkte sie angespannt, fast schon panisch.
Ich stellt mich hinter sie und fragte: »Lieutnant, kommen wir zufällig irgendwo an?«
Sie schien in Gedanken ganz woanders zu sein. Als ich näher trat, hörte ich, dass sie irgendwelche Worte murmelte. Ich beuge mich noch näher, nur um von ihrem schweren Parfum in die Nase gebissen zu werden.
Sie sagte: »Meine Mutter hat mich gewarnt. Ein Raumschiff voller Typen, die keine Ahnung haben. Aber nein, ich musste ja unbedingt diesen Karren hier betreten. Bisher habe ich noch nie so große Stümper in meinem Leben getroffen. Dabei sollten es doch die Vorzeige-Vorgesetzten Spock und Kirk sein. Aber wen bekomm ich?«
Schnell drehte ich mich zu Herbst und sagte: »Ich glaube, ich lasse sie ihre Arbeit machen. Wahrscheinlich ist das besser. Sollen wir uns mal im Schiff umschauen? Bisher habe ich noch nichts gesehen, außer einer Abstellkammer und der Brücke.«
Herbst sah mich gähnend an und sagte: »Vielleicht vertreibt mir das die Langeweile.«
Die Tür glitt mit einem Zischen vor uns auf und wir verließen die Brücke. »Hast Du bemerkt, dass kein Anderer etwas sagt, außer Uhura? Auch hier scheine noch nicht alles fertig. Vielleicht finden wir im Raumschiff ja eine Möglichkeit herauszukommen.«
Herbst nickte abwesend und schaute sich die Gänge an. Hier war alles reichlich bunt gestrichen, sah allerdings auch trostlos und steril aus. Der Gang zu beiden Seiten wirkte absolut identisch.
Ein paar Details zur Enterprise fielen mir ein. Ich sagte: »Ich habe mal einen Plan aller Zimmer in diesem Raumschiff gesehen. Interessant war, dass man nicht an die Toiletten gedacht hat. Wahrscheinlich wird das Ausscheiden hier anders geregelt.«
Ein verächtliches Schnaufen erklang von meiner Seite. Herbst trabte neben mir den Gang entlang, welcher sich alle paar Meter weiter verzweigte und scheinbar ins Unendliche führte.

Ein Plan

Zurück neben Herbst blickten wir auf unzählige Lichtblitze, die sich vor uns entfalteten. Es sah aus, als würde man über dem Planeten gerade Sylvester feiern.
Er blickte mich genervt an und sagte: »Können wir nicht einfach abhauen? Das hier macht überhaupt keinen Spaß.«
»Ich hätte es mir auch lustiger vorgestellt. Dafür ist Uhura ein echter Hingucker. Das hier ist besser als diese Fantasy Grütze, in der wir vorher gefangen waren.«
»Aber was sollte der Slapstick? Das hier ist alles ungewollt lustig. Wie diese Stummfilme aus dem letzten Jahrtausend.«
»Die Serie auf der dies hier beruht ist aus den 70gern. Da hatte man noch ein wenig Theatralik im Fernsehen gewagt. Aber Du hast recht, wir können ruhig verschwinden. Wenn wir das Spiel aus dem Gleichgewicht bekommen wollen, sollten wir es mit Parametern füttern, welche der Programmierer nicht vorgesehen hat. Ein echter Beta-Test mit allen Schikanen.«
Herbst sah mich gelangweilt an und nickte. Dann rollte er mit den Augen und sagte: »Bitte Commander, bringen sie uns auf eine verdammt hohe Geschwindigkeit. Irgendetwas kurz vor Lichtgeschwindigkeit – halt das Schnellste, was sie können.«
»Das heißt hier ›Warp‹-Geschwindigkeit und die Geschwindigkeit ist schneller als das Licht.«
Erneut drehte Herbst seine Augen nach oben und sagte: »Das ist physikalisch völlig unmöglich. Nach Einstein kann nichts schneller als das Licht sein.«
»Das ist so nicht ganz richtig. Nur Materie kann nicht schneller als das Licht sein. Schwingungen haben zum Teil andere Gesetze.«
»Würdest Du uns nicht als Materie bezeichnen?«
»Wir sind in einem Computerspiel gefangen – ich würde sagen, es spricht einiges dafür, dass wir nicht Materie sind.«
»Bitte bring mich hier einfach weg. Bitte gib Gas.«
»Mit Gas hat das nichts zu tun. Sag doch einfach ›Energie‹«
»Von mir aus mach Energie – aber bitte plötzlich.«
Ich drehte mich zu Uhura um und fragte: »Haben Sie vielleicht eine Ahnung, wie man das macht?«
Lächelnd sagte sie: »Nur den Hebel da betätigen und schon geht es los.«
Ich zog den Hebel ganz nach hinten und bekam nicht mit, dass Uhura noch irgendetwas gesagt hatte. Jetzt sah sie mich panisch an und wiederholte ihren letzten Satz: »Aber Commander, sie sollten zunächst die Zielkoordinaten eingeben. Sonst können wir wer weiß wo rauskommen.«
Ich zuckte mit der Schulter und betrachtete die Linie, die sich vor mir ins Unendliche zog. Wir werden schon irgendwo ankommen. Ganz bestimmt.