Heimkehr

Nachdem ich mich von Sommer und Johannes verabschiedet hatte, wollte ich wankend zur Bahn. Natürlich war Sommer so clever gewesen, den VW Bus direkt vor Johannes Haustür zu stellen.
In meinem Zustand nützte er mir nicht.
Dann kam mir ein Gedanke und ich ging zurück zum Bulli.
Es überraschte mich sehr, dass meine Schlüssel – natürlich von einer anderen Automarke und natürlich für einen anderen Wagen – tatsächlich passten.
Sommers Magie hatte anscheinend mehr bewirkt, als ich ihr zugetraut hatte.
Ich öffnete die Seitentür und stieg ins Innere.
Hier roch es wunderbar nach Gras. Allerdings nicht nach dem Zeug, was man normalerweise auf den Wiesen findet.
Die große Rückbank wirkte sehr gemütlich auf mich.
Ich setzte mich auf sie, rutschte an ihr hinab und schlief sofort ein.
Als ich am nächsten Morgen erwachte, klebte ein gelber Klebezettel auf der Frontscheibe. Dort drauf stand: »Wir sehen uns im nächsten Jahr.«
Sofort wusste ich, dass Sommer zusammen mit Johannes ausgeflogen war.
In meinem Kopf hüpften Kopfschmerzen, wie kleine Blechdosen in einer Einkaufstüte herum. Allerdings fühlte ich mich fit genug, um Auto zu fahren.
Ich startete das Gefährt und bemerkte gleich, dass es wesentlich ruhiger lief, als ich es in Erinnerung hatte. Es klang so, als hätte man den Motor gegen irgend etwas Anderes, wesentlich leiseres und eher schnurrendes ausgetauscht.
Die Fahrt machte mir Spaß. Autofahren ist keine Leidenschaft von mir, aber mit diesem Gefährt, war es einfach großartig.
Als ich in unsere Straße einbog, sah ich eine Person vor dem Eingang zu unserem Hochhaus stehen.
Herbst hatte die Arme verschränkt und wartete schon auf mich.

Befreundete Drogenpolitik

Ich erhob mich und merkte, dass die Welt um mich leicht wankte. Anscheinend hatte ich doch ein Schlückchen zu viel gehabt.
Sommer blinzelte mir zu und sagte: »Ich wünsche Dir viel Spaß mit meinem Bruder.«
Ich sagte: »Bisher habe ich immer noch nicht entschieden, ob ich ihn überhaupt reinlassen werde.«
Dann durchfuhr mich ein Gedanke und ich sagte: »Was ist eigentlich mit meinem Auto?«
Sommer lachte. Sie sagte: »Ich habe mir den Spaß erlaubt, Dir ein neues vor die Tür zu stellen.«
Meine Augen wurden größer und ich sagte: »Eigentlich war ich mit dem alten ganz glücklich. Was ist das denn für ein Auto?«
Sie sagte: »Ein alter VW Bus, den bisher eine gewisse Alice gefahren hat.«
Sie kramte in ihrer Tasche, die ich bisher noch gar nicht wahrgenommen hatte. Anscheinend hatte sie sich neben ihr materialisiert. Mit einem geschickten Griff fischte sie etwas aus der untersten Etage.
Die Handtasche einer Frau gilt für uns Männer als großes ungelöstes Mysterium. Auch wenn sie mit so viel Kleinigkeiten vollgestopft ist, dass die Dinge beim Öffnen schon herausquellen, findet jede Frau mit nur einem Handgriff den Lippenstift, den sie gerade benötigt. Dafür kann die Suche nach dem Autoschlüssel auch gerne mal zwei gefühlte Stunden dauern.
Sommer überreichte mir ein Bild und ich sah einen wunderschön verzierten Bus.
Sie sagte: »Das Bild kannst Du behalten und nutzen. Alice hat es mir geschickt.«
Ich bedankte mich herzlich und sagte: »Es sieht ja fast so aus, als hätte Alice den Wagen perfekt gepflegt. Du musst mir unbedingt sagen, wie ich mich bei ihr bedanken kann.«
Sommer lachte erneut und sagte: »Ist damit wohl geschehen.«

Ist das das Ende?

Ich fragte die Beiden, was sie jetzt machen wollten.
Sommer sah mich an und sagte: »Vielleicht reisen wir ja noch einmal.«
Johannes klang etwas vorwurfsvoll: »Ich muss doch zur Uni.«
»Brauchst Du nicht unbedingt. Ich kann Dir auch Einiges beibringen, was Du nie vergessen wirst.«
Johannes nickte und sagte: »Klingt cool.«
So richtig zu wissen, worauf er sich einließ, war ein wenig zu viel erwartet. Es wird interessant werden, die beiden im nächsten Jahr wiederzusehen. Wer weiß schon, was aus dieser Beziehung wird. Ich denke nur an den Graf und den griechischen Gott und hoffte inständig, dass Johannes cool bleiben würde.
Sommer sah mich sehr ernst an und sagte: »Deine Geschichten sind jetzt fast ein Jahr alt. Denkst Du darüber nach, aufzuhören?«
»Die Idee ist mir auch schon gekommen. Es wäre der beste Weg, deinem Bruder zu entgehen. Außerdem hätte ich etwas mehr Zeit für mich und für meine anderen Hobbys.«
Sommer schüttelte den Kopf und sagte: »Du hast noch andere Hobbys? Ich würde Dich auf jeden Fall vermissen.«
Ich sagte: »Das heißt nicht, dass wir uns nicht wiedersehen. Es wäre nur eine Trennung auf Zeit.«
»Du willst eine Auszeit nehmen?«
Johannes schüttelte den Kopf und sagte: »Das geht nie gut. Denk nur mal an die vielen Beispiele.«
Sommer sagte: »Jetzt sag nicht, dass Du im Moment nur eine Auszeit von Patricia hast.«
Johannes sah sie fragen an und sagte: »Woher kennst Du Patricia?«
Ich sagte: »Denk nicht weiter darüber nach.«
Wahrscheinlich würde er noch eine ganze Weile brauchen, bis er den Surfer mit seiner Traumfrau in Verbindung bringt. Allerdings hatte ich keine Lust, ihm auf die Sprünge zu helfen.

Epilog: Not quite End of Summer

Der Abend war wirklich toll. Johannes hatte so einige gute Spirituosen im Schrank und Sommer amüsierte sich prima.
Man hatte das Gefühl, dass sich dort zwei Menschen gefunden hatten, die zusammen passten. Wenn ich daran dachte, dass Herbst wahrscheinlich schon in den Startlöchern stand, wurde mir ganz anders.
Ich hatte überhaupt keine Ahnung, was mich in ein paar Tagen erwarten würde.
Es ist jetzt fast ein Jahr her, als er ganz plötzlich in mein Leben kam und es völlig auf den Kopf stellte.
Von allen Jahreszeiten hatte ich die meisten Probleme mit Herbst.
Er war, d.h. er ist so dröge und langweilig, dass ich mich jetzt schon auf Winter freue.
Allerdings konnte sich auch einiges verändert haben.
Sommer hatte das Geschlecht gewechselt. Vielleicht war ja auch Herbst dieses Jahr ganz anders.
Sie lachte, als sie mich ansah und sagte: »Mach Dir mal keine Sorgen.«, als hätte sie erraten, worüber ich nachdachte.
Ich sagte: »Ich weiß immer noch nicht, was ich mit Herbst anfange.«
Sommer sagte: »Du hast mit uns jetzt schon eine Menge erlebt. Freu Dich einfach auf ein neues Kapitel.«
Johannes blickte mich fragend an und sagte: »Worum geht es?«
Ich sagte: »Von dieser heißen Frau hat sich in ein paar Tagen ein Familienmitglied angemeldet.«
Sommer lachte und sagte: »Mein Bruder ist bekannt für seine Langeweile. Es gibt sogar einige Leute, die in seiner Gegenwart depressiv werden.«
Ich sagte: »Da kenne ich sogar ein paar von.«
Johannes sagte: »Dan nagel Deine Tür zu und lass ihn nicht rein.«
Sommer sagte: »So einfach ist das nicht. Meine Familie hat sich schon daran gewöhnt, Bob zu besuchen.«
Johannes sagte: »Dann mach mit ihm irgendetwas, was Dir gefällt. Vielleicht wird er ja auch Spaß daran haben.«
Ich schüttelte den Kopf und sagte: »Klasse Idee, aber mir fällt im Moment nichts ein.«

Summer of Love

Johannes hatte sich aufgerappelt und ging auf die gutaussehende Rothaarige zu. Sommers Lächeln war ein wenig zu breit, als er sie an der Schulter berührte und sie fragte, ob alles in Ordnung wäre.
Er sagte: »Wie heißt Du?«
Sommer sagte, wenig originell und überraschend: »Sommer«.
Dabei wurde das ›o‹ zu einem Englischen ›u‹ was Johannes sofort kommentierte mit: »Summer? So wie bei Buffy? Sehr cool.«
Sommer lachte.
Johannes sagte: »Wie bekomm ich denn jetzt das ganze Regenwasser aus dem Flur?«
Sommer sagte: »Das lass mal mein Problem sein.«
Sie wischte mit der Hand über den Teppich und das Ding wurde trockener und sauberer als es vorhin noch gewesen war.
Johannes sagte: »Wow bist du sowas wie ein X-Men? Ein Mutant?«
Sommer sagte: »Ich bin noch etwas älter, aber das können wir nachher besprechen.«
Johannes sagte: »Ich wollte Dir noch danken, dass du mich vor dieser Frau gerettet hast. Das war sehr nett von Dir.«
Sommer sagte: »Das hab ich gerne gemacht.«
Johannes sagte: »Wo sind nur meine Manieren. Willst Du was zu trinken, was nicht gerade von der Decke tropft?«
Sommer sagte: »Willst du eine Tüte? Dann nehm ich ein Bier.«
Sie ging ins Wohnzimmer.
Während Johannes an mir vorbeiging, sagte er: »Wo lernst Du nur solche Leute kennen?«
Ich sagte: »Glaub mir, ich reiße mich nicht darum. Ich finde sie alle paar Monate auf meiner Fußmatte und sie machen es sich dann anschließend in meinem Leben breit.«
Ich trottete hinter Johannes her, der drei Bier aus dem Kühlschrank nahm und mir eines überreichte.
Er nickte zum Wohnzimmer und sagte: »Das ist doch nicht Deine Frau?«
Ich schüttelte den Kopf.
Er sagte: »Meinst Du, ich habe eine Chance bei ihr?«
Ich sagte: »Ich bin davon überzeugt, dass sie voll auf Dich steht. Hast Du nicht bemerkt, dass sie Dir gerade das Leben gerettet hat?«
Johannes sah mich nachdenklich an und nickte langsam.
Eine Stimme sagte aus dem Wohnzimmer: »Kommt ihr jetzt endlich? Ich habe einen Film eingeschmissen und ne wirklich dicke Tüte gedreht. Wäre schön, wenn ich hier nicht länger alleine sitzen müsste.«

Die stärkste Kraft

Plötzlich explodierte hinter uns ein helles Licht und die Stürme verschwanden augenblicklich. Ich hörte eine Stimme, die in der Haustür stand.
Sie sagte: »Lasst doch den Quatsch und verhaltet euch wie zivilisierte Menschen.«
Tod drehte sich zu der Stimme und sagte: »Hallo Schwester. Das hat aber gedauert, bis Du eingetroffen bist.«
Liebe stieg über uns, die wir die Arme schützend über den Kopf gestreckt hatten. Sie lachte und sagte: »Jetzt wissen wir alle, wie wichtig Dir der Junge ist.«
Tod lachte kühl auf, sah ihre Schwester an und sagte: »Das Spiel hat mir gefallen. Das könnten wir wiederholen.«
Liebe pustete Luft aus und sagte: »Nach einer Aufführung ist irgendwie die Luft draußen.«
Ich sah die beiden an und sagte: »Das war alles nur Verarsche?«
Liebe sagte: »Wir wollten testen, wie weit Sommer gehen würde. Sie war bisher immer so passiv und da dachten wir, dass es gut wäre, wenn wir sie mal zum Handeln animieren.«
Sommers Mund klappte auf. Sie sagte: »Es war nur ein Spiel?«
Liebe sagte: »Das sollte es doch sein – ein Liebesspiel.«
Ich sagte: »Ich hasse Geschichten mit euch Unsterblichen. Ihr seid immer so anstrengend und völlig unausgewogen.«
Johannes sagte: »Ich fühle mich gerade, als wäre ich in einem Marvel Film gefangen. Kann mir mal jemand erklären, was hier vor sich geht? Wie habt ihr das mit den Trickeffekten gemacht, das war echt cool.«
Tod sah ihn an und schüttelte den Kopf. Liebe lachte und sagte: »Das ist genau der Typ, den unsere Sommer verdient hat. Sie wird ihm noch einiges beibringen müssen.«
Ich sagte: »Und jetzt kommt noch das Klischee, dass Frauen ihre Männer immer verändern wollen.«
Liebe sagte: »Das gelingt uns doch auch immer.«
Ich sagte: »Bis auf ein kleines Dorf der unbeugsamen Gallier.«
Johannes sah mich an und sagte: »Wer sind diese Typen in meinem Hausflur und warum wollte mich der Ninja gerade noch ermorden?«
Ich sagte: »Wir erklären es Dir, sobald die Damen verschwunden sind. Sie wollen bestimmt jetzt gehen.«
Tod und Liebe nickten und verabschiedeten sich von Sommer, die immer noch stark geschockt an der Wand lehnte. Mit einem dumpfen Schlag waren die weiße und die dunkle Dame verschwunden.

Der letzte Kampf

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass man an dieser Stelle von mir erwartet, dass ich mein Leben für das von Johannes anbiete. Es war mir allerdings bewusst geworden, dass ich sehr wohl an ihm hing, gerade weil ich es ja kürzlich verloren hatte.
Eigentlich hoffte ich die gesamte Zeit nur, dass Tod genau wusste, wegen wem sie gekommen war und hier keine Verwechselung auftrat.
Sommer hatte sich erneut aufgerappelt, währen wir auf allen vieren und den Tod im Blick langsam zurückwichen.
Erneut schrie Sommer auf. Diesmal lag mehr in ihrer Stimme, als nur das flehende ›Nein‹ was sie vorher immer geschrien hatte.
Aus ihrer Richtung zog ein Sturm auf. Ganz plötzlich war ein kräftiger Wind da. Die Decke des Flurs füllte sich mit einer grauen Wolke, in der Blitze hin und her geschleudert wurden.
Johannes sagte: »Habt Ihr die Tür aufgelassen? Wo kommt das Wetter her?«
Ich sagte: »Jetzt weiß ich, wer die Stürme von Herbst hat. Ich hoffe, Deine Schlappen haben hoffentlich eine gut isolierende Gummisohle. Das kann hier gleich ziemlich ungemütlich werden.«
Ein Blitz schoss in das Messer von Tod und füllte die Klinge mit einem überirdisch hellen Licht. Sommers Haare flatterten im Wind und ihre Augen flackerten im Schein der Blitze.
Ich sagte: »Jetzt weißt Du auch, warum sie aus Thor im Marvel Universum mittlerweile eine Frau gemacht haben. Die sind für die Rolle wirklich gut geeignet.«
Johannes sagte: »Aber es scheint dem Ninja keine Probleme zu bereiten.«
Meine Schulter berührte eine Wand und in mir baute sich Panik auf. Viel weiter würden wir nicht zurückweichen können. Tod hatte uns in der Falle, auch wenn diese vorher schon sehr offensichtlich war.
Sie thronte über uns, mit dem Messer hoch über ihren Kopf gestreckt.
Immer wieder fuhren Blitze durch ihren Körper, in ihren Kopf, in das Messer und um sie herum. Regen prasselte gegen ihre Kleidung.
Sommer schrie erneut »Nein«
Das Messer hatte seinen höchsten Punkt erreicht.

Angriff der Killer-Burka

Die Dame mit Burka bzw. Ninja Kostüm, soweit unterscheiden sich die beiden Kostüme ja nicht, löste sich aus ihrer Starre und wandt sich zur Tür.
Johannes zog mich einen Schritt zurück, und als die schwarze Hexe direkt in der Tür stand, schleuderte er die gleiche mit voller Wucht ins Schloss.
Ein dumpfes Klopfgeräusch war zu hören.
Erstaunt sah ich Johannes an, der sagte: »Solange die mit dem Messer rumfuchtelt, hau ich ihr Türen ins Gesicht.«
Ich zuckte mit den Schultern und lächelte.
Dann sagte ich: »Kann man die Tür abschließen?«
Johannes sagte: »Sollen wir die nette Rothaarige nicht noch rauslassen?«
Ich sagte: »Die dunkle Dame ist eine Tante der netten Dame. Die können sich jetzt evtl. mal nett unterhalten.«
Johannes zuckte mit den Schultern.
Dann flog die Tür plötzlich auf und warf mich und Johannes nach hinten.
Die dunkle Gestalt stand im Rahmen und blickte mit ihrem langen Messer auf uns herunter.
Sommer hechtete zwischen uns.
Sie sagte: »Bitte mach es nicht.«
Die Stimme der Frau klang von sehr weit zu uns zu dringen. Es war nicht genau zu bestimmen, von wo sie kam. Sie sagte: »Es war Dein Wunsch!«
Sommer sagte: »Ist er jetzt nicht mehr.«
Tod sagte: »Du kannst nicht einfach Deine Wünsche ändern.«
Sommer sagte: »Siehst Du doch, dass ich es kann. Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern.«
Tod sagte: »Dieses Zitat wird fälschlicherweise einem bekannten Politiker untergeschoben. Dabei hat er es niemals so gesagt.«
Sommer sagte: »Du solltest endlich aufhören in Wikipedia merkwürdige Dinge nachzuschlagen.«
Tod sagte: »Wunsch ist Wunsch.«
Sommer sagte: »Das ist auch ein Zitat und die Pointe eines schlechten Witzes. Du kannst aufhören.«
Mit einer Hand warf Tod Sommer zur Seite. Mit ihrer tiefen Stimme sagte sie: »Ich werde vollenden, wozu ich hergekommen bin. Keiner wird sich mehr an ihn erinnern.«
Sowohl Johannes, wie auch ich sahen zu der furcheinflößenden Gestalt über uns auf. Dann blickte ich zu Sommer und sah ihre Angst. Sie hatte die Augen aufgerissen und ich glaube, dass ich eine Träne sehen konnte.
Sie sagte: »Bitte tu es nicht. Nimm lieber mich.«
Tod fuhr zu ihr herum und sagte: »Was für ein pathetischer Müll. Solange sich die Erde in einem gewissen Winkel dreht, wirst Du nicht aufhören zu existieren. Das ist das blödeste Angebot, welches Du mir anbieten konntest.«
Zu Sommer gewandt sagte ich: »Sie ist aber ziemlich dickköpfig.«
Johannes sagte: »Das hätten wir schon nach dem Schlag mit der Tür wissen können.«

Leider Falsch

Wir rannten ins Schlafzimmer. Dort stand eine schwarz gekleidete Dame, die über ihrem Kopf ein ziemlich scharfes Messer in beiden Händen erhoben hatte. Sommer schrie auf.
Er sagte: »Mach es nicht!«
Das Messer blitzte durch die Nacht und verschwand im Bett. Innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde flogen das Messer erneut auf und nieder. Im Takt der Schläge flogen kleine Federn im Raum herum.
Sie legten sich, wie Schnee über das Mobiliar. Ich musste nießen, da mir eine der kleinen Feder in die Nase gestiegen war.
Sommer schrie und rannte zu ihrer Tante. Sie versuchte, ihren Arm zu greifen und die tödlichen Stiche zu verhindern.
Immer wieder schrie sie ihre Tante an, dass sie Einsicht zeigen und endlich aufhören sollte.
Das Schauspiel schien ewig zu dauern.
Dann erklang eine Stimme in meinem Rücken.
Jemand sagte: »Eh, was ist denn hier los.«
Ich drehte mich überrascht um und blickte in das verwirrte Gesicht von Johannes. Er sah verschlafen aus und hatte einen leuchtend roten Schlafanzug an. Auf seinem Pyjama-Oberteil prangte das Deadpool-Emblem.
Seine Mine änderte sich, als er mich erkannte. Er sagte: »Bob ist back? Voll cool. Aber ich dachte, ihr kommt früher.«
Dann änderte sich seine Mine erneut und er sagte: »Hatte ich Dir einen Schlüssel gegeben? Und wo ist Dein Begleiter?«
Ich deute mit einem Kopfnicken in sein Schlafzimmer.
Er sagte: »Mann, ich bin schon wieder auf der Coach eingeschlafen. Das passiert mir auch immer wieder.« Dann blickte er an mir vorbei auf die hübsche Rothaarige und einer schwarz vermummten Dame mit einem riesigen Messer.
Er blickte mich erneut fragend an und sagte: »Was macht der Ninja in meinem Schlafzimmer und warum hat sie meine Daunendecke getötet?«
Dann blieb sein Blick auf Sommer hängen. Man sah, dass sein Hirn am Angelhaken baumelte, noch bevor er erneut den Mund aufmachte.
Er sagte: »Wer ist denn das?«

In der Wohnung

Wir eilten die Treppen hinab. Von Tod war nichts mehr zu sehen. Sie war anscheinend schon in die Wohnung vorgedrungen.
Ich sagte: »Wie lange braucht Deine Tante zur Auslöschung einer Seele?«
Sommer sagte: »Keine Ahnung. Ich hatte nie vor, ihr dabei zuzusehen. Mein Interesse ist da auch eher gering.«
Wir eilten an die Haustür von Johannes.
Sommer rüttelte an dem Griff.
Ich sagte: »Jetzt wird es schwieriger. Soweit ich mich erinnern kann, ist hinter der Tür noch eine Garderobe. Da hängen verdammt viele Mäntel und Jacken.«
Sommer sagte: »Ist mir klar. Da kommen wir nicht rein, wie wir raus sind.«
Ich sagte: »Wie kommen wir dann rein?«
Sommer sagte: »Er hat hoffentlich nicht abgeschlossen, sondern nur die Tür zugezogen. Dann bekommen wir das mit einer Kreditkarte hin.«
Ich sagte: »Das hab ich schon einmal probiert. Ein paar Karten später, die mir hinterher verdammt viele Probleme bereitet haben, musste ich einsehen, dass es nicht so einfach ist, wie man es in Filmen immer sieht.«
Sommer sagte: »Es kommt nur auf die Technik an. Gib mir mal eine Karte, dann zeig ich es Dir.«
Ich zog eine der ersten Bonuskarten aus meiner Geldbörse, die ich finden konnte.
Sommer lächelte und sagte: »Flower-Card? Das ist doch nicht Dein ernst.«
Ich sagte: »Meine Frau motzt immer, dass ich viel zu selten Blumen mitbringe. Ich wollte das ändern und als Bonus gab es die Karte.«
Sommer schob die Karte in den Schlitz zwischen Tür und Rahmen und konzentrierte sich. Sie sah dabei aus, als würde sie ein saures Bonbon lutzschen.
Es klickte und die Tür sprang auf.
Sommer sagte: »Siehst Du, er zieht nur zu. Er gehört nicht zu den paranoiden Spinnern, die Sicherheit als erstes Gut ansehen.«
Ich sagte: »Immer noch schön zu sehen, wie sehr Du ihn magst. Jetzt sollten wir uns beeilen. Deine Tante ist bestimmt schon dabei.«