Winter 2016 – Kapitel 1

Es klopfte an der Tür. Es klang zögerlich und leise, gar nicht, wie ich es erwartet hatte. Mühsam erhob ich mich von meinem Sessel und schlurfte zum Flur. Dass jemand an die Tür klopfte, war in vielerlei Hinsicht merkwürdig.
Winter war im letzten Jahr einfach eingefallen, wie das Licht durch eine Glaswand. Man konnte sich kaum gegen sie wehren und soweit ich mich erinnerte, hatte sie nie angeklopft.
Zusätzlich hätte ich ihr dieses unaufdringliche Klopfen gar nicht zugetraut und außerdem hätte sie die Klingeln benutzt, um gehört zu werden.
Das Alles sprach dagegen, dass mich auf der anderen Seite, meine alte Feindin Winter erwartete.
Tatsächlich stand vor mir ein verängstigter Jüngling, der ein Paket in den zittrigen, überdimensionalen Wurstfingern hielt. Ich erkannte ihn als den Nachbarsjungen, der sich bisher noch nicht einmal getraut hatte, mich auf dem Hausflur zu grüßen. Ich schob es innerlich auf mein einnehmendes und autoritäres Auftreten und hätte über diesen Gedanken fast laut gelacht.
Der Junge streckte mir das Ding hin, als hätte es Ausschlag und huschte ohne ein Wort hinfort, als ich es ihm abnahm.
Auf dem Adressenaufkleber stand mein Name, in einer komischen, krakeligen Handschrift. Das hier kam definitiv nicht vom weltweit größten Internet-Versandhaus – oder sagen wir genauer, dem größten, außerhalb von China. In China ist bekanntlich alles größer, bis auf die Menschen.
Das Papier hatte ein merkwürdiges Muster, war allerdings nicht weihnachtlich dekoriert. Zumindest hatte der Absender so viel Anstand, es nicht mit einer Schleife versehen zu haben.
In der Küche öffnete ich den Rand vorsichtig mit einem Messer und linste durch den kleinen Spalt, den ich geöffnet hatte. Vielleicht war es ja trotzdem ein Weihnachtsgeschenk und ich sollte es erst in ein paar Tagen öffnen.
Der Geruch, der aus dem Paket kam, war scharf und merkwürdig. Außerdem vibrierte etwas, zwischen meinen Händen. Noch bevor ich erkennen konnte, was sich im Inneren vor mir versteckte, schlug mir das Ding eine Mischung aus Rauch und Feuer entgegen, die die gesamte Küche in ihre Bestandteile zerlegte. Ich fand mich unvermittelt auf dem Fußboden wieder.
Irgendjemand hatte mir eine Briefbombe geschickt. Womit er nicht gerechnet hatte war, dass ich seit letztem Sommer immun gegen den Tod war. Leider traf das nicht für meine Kücheneinrichtung und die vielen elektrischen Geräten zu.
Der Feuermelder piepste aus dem Wohnzimmer und ich musste mich kurz hinsetzten, um meine Gedanken zu sammeln.
In der Tür stand Winter und sah hochnäsig auf mich hinab. Sie sagte: »Was machst Du nur für einen Lärm zu meiner Begrüßung? Ein weniger explosiver Empfang wäre mir auch recht gewesen.«
Murmelnd und zu mir selbst sagte ich: »Irgendwer will mich umbringen.«
»Es war also nicht Dein Bohneneintopf, der mal wieder hochgegangen ist? Das überrascht mich wirklich.«
Langsam erhob ich mich und klopfte mir die Asche aus der Kleidung. An mehreren Stellen war mein Hemd verbrannt und zerrissen. Die Flammen an meiner Hose klopfte ich mit der Hand aus.
»Bisher war ich mir immer sicher, dass Du kein Gespür für Mode hast. Dieses Jahr ist es allerdings noch schlimmer geworden. Diese ›Tribute von Panem‹-Gedächtnis-Hose setzt Deinem fehlendem Geschmack noch die Krone auf.«
Langsam den Kopf schüttelnd sagte ich: »Egal wer das war, aber er hat meine gesamte Küche zerstört.«
Winter streckte den Kopf in den Raum und sagte: »Die Mikrowelle dürfte noch funktionieren. Damit gelingen Dir bestimmt endlich Deine Rezepte.«
»Ich weiß nicht, warum das so lustig ist.«
»Wenn man es mit einem Hauch von Humor nimmt, sieht die Welt schöner aus.«
»Hast Du das auf einem Lehrgang im letzten dreiviertel Jahr gelernt?«
Den Kopf schüttelnd sagte Winter: »Wir wissten beide, dass es sehr schwer werden dürfte, Dich von Deinem Leben zu trennen. Wer auch immer es versucht, ist ein totaler Stümper.«
Meine Knie waren immer noch zittrig. Die Hände waren mit Ruß bedeckt. Ich sagte: »Vielleicht dusche ich mich kurz und zeihe mir etwas anderes an.«
»Es lohnt sich nicht diese Kleidung zu waschen. Die Reste, die keine Löcher aufweisen, sind selbst als Flicken nicht mehr zu gebrauchen.«
»Ich mochte das Hemd.«
»Kauf Dir ein neues.«
Während ich mich auf den Weg zum Badezimmer machte, sagte ich: »Ich freue mich auch darüber, Dich wiederzusehen. Jetzt wo Du da bist, weiß ich wieder, was ich nicht vermisst hatte.«
Das typische spitze Lachen erklang. »Ob Du es glaubst oder nicht – ich habe mich auch schon gefreut. Es ist so schön, jemand zu besuchen, der so viel weniger wichtig ist, als man selbst. Dadurch erkennt man seinen eigenen Wert.«
Nachdem ich mein Gesicht von den Rußspuren befreit und mich neu angezogen hatte – ich achtete dabei penibel darauf, dass die Tür zum Schlafzimmer abgeschlossen war, und zusätzlich schob ich einen Stuhl vor den Türgriff und hängte ein Handtuch vor das Schlüsselloch – ging ich zu Winter ins Wohnzimmer, die sich dort auf einem Sessel gegenüber der Couch niedergelassen hatte. Sie blickte mich mit einem zynischen Lächeln an und sagte: »Hattest Du ein schönes Jahr?«
Ich stöhnte und zog anschließend die Luft durch die Zähne. Dann schüttelte ich den Kopf theatralisch und starrte sie an. »Mein Jahr war eine einzige Katastrophe. Es ging von einer Hetze in die nächste. Seitdem Du nicht mehr da bist, habe ich einen Krimi gelöst, eine Liebesgeschichte fast nicht überlebt und einen Fantasy-Science Fiction Blödsinn überstanden. Ich hab jetzt wirklich kein Bock mehr auf noch mehr Schwachsinn. Es wäre nett mal auszuspannen und die Beine hochzulegen.
Das hatte ich eigentlich schon Sommer versprochen, aber Herbst musst mich, ganz davon ab, dass ich ihn ein Jahr vorher noch als Langweiler kennen gelernt hatte, direkt in eine andere Geschichte verwickeln. Mein Bedarf für solche Experimente ist auf jeden Fall gedeckt.«
»Die Explosion deutet an, dass Du nicht so schnell Ruhe bekommst.«
»Es war eine Briefbombe. Das heißt, eigentlich war es eine Paketbombe, aber sowas sagt man ja nicht.«
»Hätte man Dir ein Gift geschickt, hättest du wahrscheinlich gar nichts mitbekommen.«
»Ach jetzt weiß ich auch, was die letzten drei Briefumschläge mit weißem Puder sein sollten.«
»Ehrlich?«
»Ne war nur ein Spaß.«
Winter lächelte milde und sagte: »Siehst Du, Deinen Humor hast Du noch nicht verloren.«
»Das wäre auch noch schlimmer. Wenn der weg wäre, würde ich so lange suchen, bis ich ihn zurückhätte. So etwas verliert man nicht.«
Mit einem Kopfnicken wies Winter auf den leeren Tisch vor sich. Schnell erhob ich mich und sagte: »Was darf ich der Dame servieren?«
»Ein wenig Glühwein wäre nicht schlecht. Aber nicht dieser Billige aus dem Tetrapak. Ein Markenglühwein müsste es mindestens sein.«
Mit den Augen rollend flüsterte ich: »Wenn ich es nicht erwähnt habe – ich habe Dich wirklich kaum vermisst.«, etwas lauter fügte ich hinzu: »Vielleicht muss ich dann noch einkaufen gehen.«
Winter winkte kurz und sagte: »Zur Not tut es auch warme Milch mit Honig. Du hast doch guten Honig da?«
Fluchtartig verließ ich den Raum. Sie würde bestimmt nicht merken, wie gut der Glühwein war, wenn ich nur genügend billigen Rum dazu mischte.
Um den Glühwein zu erwärmen, blieb mir nur die Mikrowelle. Dieselbe klang komisch laut, ratterte mechanisch und ich wartete vorsichtshalber in einem gebührlichen Abstand, kurz nach dem zerstörten Herd.
Winter rief aus dem Wohnzimmer: »Ich hab das Jahr sehr locker angehen lassen.«
Irgendwie war ich nicht scharf darauf, ein paar ereignislose Darstellungen über mich ergehen zu lassen. Allerdings gebietet es mir meine Höflichkeit, einer Schilderung von Lappalien zu lauschen, selbst wenn einem dabei alle Körperteile einschlafen. Schließlich hatte Winter zuvor gefragt, wie es mir ergangen war, und hatte ebenfalls zugehört.
»Ich hab mich zunächst ein paar Monate in meine Wohnung verkrochen und hab viel gelesen. Du hattest mir ja einige Bücher empfohlen, die ich aufarbeiten musste.«
»Mochtest Du sie?«
»Keine Spur. Waren alle langweilig.«
Auch wenn ich auf Höflichkeit sehr großen Wert zu legen pflege, scheinen es die Leute, mit denen ich mich umgebe, weniger gut damit zu meinen. Ihre Höflichkeit scheint eher verkümmert mit den Schmuddelkindern im Sandkasten geblieben zu sein. Allerdings hatte ich auch das Vergnügen, die Elter der Jahreszeiten kennengelernt zu haben – sie strotzten auch nicht unbedingt davon. Wie soll ein Kind lernen, wenn seien Eltern schon verdorben sind. Der Apfel fällt immer auf den größten Haufen – oder so ähnlich.
»Danach war ich in Südamerika. Da ist das immer so schön.«
»Hat mir ein Kollege mal von erzählt. Muss wirklich prima da sein. Gab ja mal eine Zeit, da sind die Deutschen in großer Zahl dorthin ausgewandert.«
Traurig schüttelte Winter ihren Kopf und sagte: »Das wird den Ländern wohl nie verziehen.«
Ich zuckte mit den Schultern und reichte ihr ihre Tasse. Sie nippte ein paar Mal, runzelte ihre Stirn und sagte: »Das ist wirklich keine gute Qualität.«
»Meinst Du den Wein oder den Rum?«
»Beides.«
»Kann ich nur bestätigen. Wenn Du nicht willst, trinke ich es gerne. Ich fühle mich so, als brauchte ich es jetzt.«
Sie lachte spitz auf und schüttelte mit dem Kopf. »Selbst wenn Du nicht direkt daran sterben kannst – wenn Du Dir die grauen Zellen wegballerst, wirst Du die Ewigkeit schwachsinnig verbringen. Auch wenn ich mich frage, ob irgendwer, inklusive Dir selbst, einen Unterschied zum momentanen Zustand feststellen würde.«
»Besser Schwachsinn als gar nichts im Kopf.«
Sie nahm erneut einen tiefen Schluck und sagte: »Sollten wir nicht lieber mal erforschen, wer Dir diese garstigen Sachen schickt?«
Ich schüttelte den Kopf und sagte: »Ich will die nächsten paar Monate Ruhe haben.«
Die Tasse abstellend, erhob sie sich, griff nach meinem Arm und zog mich ebenfalls auf die Füße. »Wir sollten jetzt etwas machen, wo die Spur noch heiß ist.«
»Ich würde lieber warten, bis die Spur richtig kalt ist. Dann würde es mir mehr Spaß machen.«
Winter hörte mir gar nicht zu und schob mich zur Haustür.
Sie bugsierte mich über die Türschwelle und sagte: »Wie hast Du das Paket bekommen?«
»Der Nachbarsjunge hatte es mir gegeben.«
»Dann klingel da und frag, ob ihm irgendetwas an dem Lieferanten aufgefallen ist.«
»Du meinst an dem Paket-Mann?«
»Genau den meine ich.«
Ich baute mich vor der Tür der Nachbarn auf, klingelte jedoch nicht. Den Kopf schüttelnd sagte ich: »Das bringt nichts. Der Junge ist so unterhaltsam und informativ, wie eine frisch gestrichene Wand.«
»Die Wände sagen viel über ihre Bewohner aus. Allein aus ihrer Farbe und der Tapete lässt sich einiges ableiten.«
»Du verstehst es, ein blödes Beispiel als eben dieses zu überführen. Ich meinte, dass der Kerl zu einsilbrigen Aussagen neigt.«
»Klingel einfach und lass mich mal machen.«
Schweren Herzens drückte ich den Knopf und wartete. Innerlich hoffte ich, dass keiner zu Hause war, doch tat man mir den Gefallen leider nicht. Nach zwanzig Sekunden öffnete der Junge die Tür und blickte mich, ohne eine Silbe der Begrüßung, groß an, als wäre ich gerade durch sein Badezimmerfenster geflogen.
Stockend sagte ich: »Hallo.«
Verständnislos sah er mich weiter an.
Ich sagte: »Vielleicht hast Du mitbekommen, dass gerade in meiner Wohnung eine Bombe hochgegangen ist.«
Der Junge nickte knapp und sah mich weiter an.
Winter drängelte sich an mir vorbei. Sie sagte: »Hallo. Wir wollten nur erfahren, wer Dir das Paket gegeben hat.«
Der Junge drehte sich um und rief nach seiner Mutter, deren Namen ich leider nicht hören konnte. Dann schmiss er die Tür hinter sich zu.
Das Verhalten nicht tolerierend, trommelte Winter auf die Tür ein.
Es dauerte erneut zwanzig Sekunden, bis die Tür aufging. Im Rahmen stand eine mittelalte, ziemlich große Frau, die die Haare streng nach hinten geknotet hatte. Sie sah von oben auf Winter hinunter und sagte: »Sie sind also diese viel zu laute Nachbarin. Bei dem Lärm in ihrer Wohnung kann man sich kaum ausruhen. Eigentlich hätte ich schon längst die Polizei rufen müssen.«
Winter nickte in meine Richtung und sagte: »Ich bin nur zu Besuch. Der Typ hinter mir, ist ihr vorlauter Nachbar. Ich kann mich lediglich für sein Betragen entschuldigen.«
Die große Frau streckte ihre Hand in Winter Richtung und sagte: »Wissen sie eigentlich wie viel Uhr wir haben? Es ist schon fünf Uhr und laut Hausordnung ist es nicht gestattet, nach vier Uhr noch Abrissarbeiten in seiner Wohnung durchzuführen.«
Stotternd sagte ich: »Es waren keine Abrissarbeiten. Das war eine Bombe.«
»Das ist noch viel schlimmer. Sprengstoffe sind laut Hausordnung gar nicht gestattet. Ich werde mich bei der Hausverwaltung beschweren.«
Winter baute sich vor der Frau auf und machte die fehlenden Zentimeter in Sachen Körpergröße durch Ausstrahlung wett. Sie schaute kurz auf die Türklingel, bevor sie der Frau in die Augen sah, und sagte »Frau Müller, wir wollten erfahren, wer ihnen das Paket gegeben hat, das mein Freund von ihrem Sohn erhalten hat.«
Die viel zu lange Frau Müller sagte: »Sie haben ein Paket erhalten?« Sie drehte sich um und rief in die Räume, die wir nicht sehen konnten: »Franziskus – wie oft habe ich Dir schon gesagt, dass wir keine Pakete für Nachbarn annehmen. Das bringt immer nur Ärger.«
Dann drehte sie sich zurück und sagte: »Bitte entschuldigen sie meinen Sohn. Eigentlich sollte er so etwas nicht annehmen. Er ist leider etwas einfältig.«
Etwas leiser sagte ich: »Eigentlich bin ich immer darüber froh, wenn man Pakete annimmt. Den größten Teil des Tages bin ich nicht zu Hause. Da ist sowas recht praktisch.«
Winter sagte: »Das spielt hier keine Rolle. Wir wollen wissen, von wem ihr Sohn Franziskus das Paket erhalten hat.«
Die Frau drehte sich erneut und rief ein paar unverständliche Silben in den Raum. Ihr antwortete eine leise Stimme. Dann sagte die Frau zu Winter: »Das Paket wurde durch eine Jugendliche gebracht. Sie hat hier gegen zwölf Uhr geklingelt.«
Winter drehte mich zu mir und sagte: »Ist es üblich, dass Pakete durch Jugendliche ausgetragen werden?«
»Normalerweise tragen nur Erwachsene etwas aus. Ab und zu plagen sich auch schon mal Jugendliche mit solchen Sachen ab, aber die Regel ist es in Deutschland definitiv nicht. In anderen Ländern ist es vielleicht anders, da tragen auch viele Jüngere aus. In diesem Land ist die Aufklärung und Bildung eigentlich recht gut.«
Winter lächelte säuerlich und sagte dann: »Deine Zweideutigkeiten kannst Du Dir sparen.«
»Das Tor war auf und musste genutzt werden.«
Winter drehte sich erneut um und sagte: »Könnte ihr Sohn die Jugendliche beschreiben?«
Erneut ein längerer Wortwechsel, bevor die Dame vor uns sagte: »Es war ein blondes Mädchen. Franziskus war zu irritiert von ihr, um noch mehr Details wahrzunehmen.«
Es kehrten ein paar Augenblicke Ruhe ein, bis die Frau vor uns sagte: »Wenn das jetzt alles wäre?«, und die Tür kurz darauf ins Schloss knallte.
Winter drehte sich zu mir um und sagte: »Du hast merkwürdige Nachbarn.«
Winter sagte: »Sollten wir die Polizei einschalten?«
Geistesabwesend nickte ich mit dem Kopf und überlegte, wie wir weiter vorgehen sollten. Bei einem Bombenangriff auf meine Wohnung wäre der Schritt wahrscheinlich naheliegend. Allerdings wusste ich nicht so genau, wie ich erklären sollte, dass ich mit einem Schreck davongekommen war. Diese Erklärung würde mir im Anbetracht der Zerstörung wahrscheinlich schwer fallen.
»Wie erkläre ich, dass die Bombe mich nicht in Stücke gerissen hat?«
»Du hattest irgendetwas, was Dich gerettet hat. Normalerweise fragt da kaum jemand nach. Außerdem kennen wir Maria doch recht gut. Sie müsste mittlerweile gelernt haben, dass uns ein gewisser Zauber umgibt.«
Noch bevor ich lange überlegen konnte, kramte Winter nach ihrem Handy und wählte aus ihren Kontakten. Sie sah konzentriert in die Ferne, während sie sich mit Maria unterhielt.
Während Winter die Fakten zusammentrug, dachte ich darüber nach, welche merkwürdigen Umstände mein Leben gerettet hatten. Vielleicht reichte ja ein Holzbrett, welches ich gerade noch in der Hand hatte. Allerdings sollte ich das präparieren. Ein frisches aus der Spülmaschine zu holen, wäre bestimmt nicht schlau.
Außerdem sollte ich meine Kleidung herrichten. Das verbrannte Zeug, was ich während der Explosion trug, würde Zweifel aufkommen lassen. Letztendlich waren noch nicht einmal Blutspuren darauf zu finden.
Winter sah mich zweifelnd an und sagte: »Wir sollen drinnen auf sie warten. Soweit ich es verstanden habe, bringt sie ihren neuen Vorgesetzten mit.«
»Die Idee mit der Polizei ist mehr als dämlich. An ihrer Stelle würde ich mir die gesamte Geschichte nicht abkaufen.«
»Du wirst schon sehen, es wird alles gut. Außerdem wäre es doch besser, wenn Du den Schaden über Deine Hausratversicherung laufen lassen könntest.«
Es entsprach eher Herbst, dass er sich über solche Details Gedanken machte. Anscheinend hatten die beiden Geschwister dieses Jahr ihre Rollen vertauscht.
Ohne einen Schlüssel zu benutzten, öffnete Winter meine Wohnungstür, nur indem sie ihre Hände über den Griff legte. Ich sah ihr dabei fasziniert zu und sagte: »Ich wusste nicht, dass Du diese Kraft hast.«
»Hab ich dazugelernt. Ich hielt es für praktisch, so etwas in meinem Repertoire aufzunehmen.«
»Ich wundere mich immer wieder, welche nützlichen Dinge Ihr könnt.«
Während wir auf Maria warteten, rannte Winter in der Wohnung umher. Zum Glück fand ich ein Brett, welches von der Wucht der Explosion stark mitgenommen wirkte. Meine Kleidung konnte ich hingegen vergessen. Die Hauptladung hatten mein T-Shirt und mein Pullover abbekommen, welche vorne größere, schwarz umränderte Löcher trugen. Eigentlich hätte die Wucht auch meinen Bauch aufschlagen müssen.
Winter sagte: »Ich freue mich schon auf unserer Ermittlungen. Meinst Du, es reicht für meine gesamte Zeit auf der Nordhalbkugel?«
Eigentlich wusste ich nicht genau, was ich jetzt machen sollte. Natürlich könnte ich ein weiteres T-Shirt opfern, um es in der Bauchregion leicht anzukokeln. Ein geschulter Polizist würde das jedoch sicherlich durschauen. Oder ich sagte einfach, dass die Kleidungstücke nur leicht gebrannt hatten und ich Glück hatte, das ich sie schnell genug auszog. Ich nickte Winter im Vorbeigehen kurz zu.
Sie sagte: »Bist Du nicht auch glücklich, dass die Monate nicht langweilig werden?«
Etwas innerlich platze und ich sagte: »Ich wollte meine Ruhe. Ich wollte Frieden. Haben wir nicht gerade die Zeit, in der man sich mit seiner Familie besinnt und endlich mal abschalten kann? Es reicht mir endgültig mit den ganzen Trubel, den ich bisher hatte. Ich schwöre, dass ich meine Tür im Frühling so fest verschließe, dass selbst ich sie nicht mehr aufbekomme.«
Winter lachte spitz auf und sagte: »Siehst Du, Du freust Dich auch schon. Das kann eine tolle Jagd nach Deinem Mörder werden.«
»Nur, dass ich augenscheinlich nicht tot bin. Das wird bestimmt jeden wundern.«
Ich rannte in die Küche um noch einmal den Tatherrgang im Kopf durchzugehen.
Winter schwieg erstaunlich lange, bis sie sagte: »Meinst Du, dass das schon das zweite Attentat auf Dich war?«
Wie angewurzelt blieb ich stehen. »Wie meinst Du das?«
»Vielleicht wurde auch Dein Lastwagenunfall geplant.«
»Wie meinst Du das?«
»Es war schon merkwürdig, dass der Fahrer sein Gefährt nicht angehalten hat. Sommer sagte, dass der LKW weiterfuhr, als wäre nichts passiert. Das kann kein Zufall sein.«
»Sommer hat mir nichts davon erzählt.«
»Sommer ist immer viel zu sehr mit sich selbst beschäftig, als solche Details zu bemerken. Er bzw. sie hat es nur kurz erwähnt.«
»Aber der LKW muss doch gestoppt sein.«
»Nur kurz, dann ist er weitergefahren. Soweit ich es gehört habe, wurde der Fahrer nie ermittelt.«
Ein modulierendes Tuten deutete an, dass jemand vor der Tür stand, die ich schnell öffnete.
Vor der Tür stand ein komischer kleiner Mann, der mich über seinen breiten Schnäuzer musterte. Hinter ihm war Maria kaum zu übersehen. Sie wirkte so, als wäre der Kleine aus ihrem Handtäschchen gesprungen und sie würde jetzt Probleme haben, ihren Chihuahua zurück an seinen Platz zu befördern.
Das Baby-Walross strich sich über seine Oberlippe und hielt mir anschließend seine Pfote hin. Es sagte: »Hallo, ich bin Kommissar Wolfgang Paul. Sie haben vorhin angerufen?«
Winter eilte herbei und sagte: »Ich hatte eigentlich mit Maria…«, dann sah sie die stämmige Beamtin und lächelte. »Da ist sie ja!«
Ich ergriff die vorgeschobene Hand und sagte: »Hallo. Ich bin Bob.«
In meiner Hand schien ein glibberiger Fisch zu liegen, der sich kalt und feucht an meine Finger rieb. Das Gesicht des Mannes zeigte so etwas wie ein verbissenes Lächeln, wobei er lediglich die Mundwinkel nach oben zog und seine Eckzähne entblößte. Was ich sah, war nikotingelb und wenig symphytisch oder hygienisch.
Es schnalzte mit der Zunge und sagte: »Es ist schön, ihre Bekanntschaft zu machen.«
Im Geist sagte ich: »Eigentlich hätte ich auch darauf verzichten können.« Laut fügte ich hinzu: »Kommen Sie doch bitte rein.«
Winter sah auf den kleinen Mann hinab und runzelte die Lippe. Dann schob sie ihn zur Seite und begrüßte Maria.
Ich sagte: »Die Dame hier ist Winter. Sie ist ein nerviger Besuch, den man kaum abschütteln kann.«
Schneidende Worte schwebten mir von unten hinauf: »Wie meinen sie das jetzt? Man kann jeden Besuch loswerden, wenn man das nur will. Man braucht nur das nötige Selbstvertrauen dazu.«
Kleinlaut sagte ich: »War nur ein Scherz.«
Intuitiv begriff ich drei Sachen gleichzeitig:
a) Der Mann verstand keinerlei Ironie und konnte bestimmt nicht unterscheiden, ob man über ihn oder mit ihm lachte, was ihn gefährlich machte.
b) Wenn ich fragen würde, bekäme ich sicherlich viele Tipps von ihm, wie man unliebsame Plagegeister auf Dauer loswerden konnte.
c) Mir taten die Personen leid, die ihn besuchten, wenn es überhaupt welche gab. Wahrscheinlich würden sich die Wenigen verlaufen haben oder waren Jehovas Zeugen.
Dieser Mann vor mir, bedeutete nichts Gutes. Auch Marias Mine war sehr eindeutig und ich würde eine größere Herausforderung werden, ihm plausibel zu erklären, warum ich nicht gleich mitexplodiert war.
Nachdenklich strich der Kommissar über sein Barthaar und blickte mir unangenehm in die Augen.
Winter plauderte unterdessen unbekümmert auf Maria ein, die kurzangebunden mit ein paar Silben antwortete.
Kommissar Paul sah dem schweigend zu und sagte in eine kurze Pause hinein: »Die Damen können sich sicherlich noch abschließend auf dem Revier unterhalten. Wir sollten uns jetzt den Tatort ansehen.« Dann zwängte er sich an mir vorbei und betrat die Wohnung.
Wie ein Bluthund zog er die Luft durch seine Nüstern und folgte dem Brandgeruch in die Küche.
Winter gab ein höhnisches Lachen von sich, drehte sich von Maria ab und stapfte hinterher. Dabei wirkte sie, als würde sie fliegen. Ich eilte den Beiden hinterher.
In der Küche schnupperte der Kommissar am zerstörten Paket und sagte: »Schwarzpulver. Nicht besonders originell, aber effektiv. Der Zünder ist etwas interessanter. Es muss etwas Lichtempfindliches gewesen sein, was sich entzündete, sobald das Paket geöffnet wurde. Keine elegante Art und sie setzt den Lieferanten einer hohen Gefahr aus.«
Maria hatte die Tür versperrt, wie ein Korken eine Schaumwein-Flasche. Sie blickte prüfend ins Innere und flüsterte zu Winter: »Er ist wirklich gut bei Ermittlungen. Ein echter Held, wenn Du verstehst, was ich meine.«
Winter nickte und wirkte leidlich interessiert. Sie sagte: »Soweit war ich auch schon. Das ist keine wirkliche Leistung. Wenn er nur am Geruch auch noch den Absender ermitteln würde, wäre ich eher beeindruckt.« Dann lachte sie hell auf.
Der Kommissar sah verärgert zu uns rüber und sagte: »Männlich, weiß, mittelalt und erheblich frustriert.«
»Immer noch nicht beeindruckt. Bomben werden statistisch von mittelalten Männern bevorzugt. Das mit der Hautfarbe ist aufgrund der Geographie ebenfalls naheliegend.«
Ich sagte: »Die Handschrift auf dem Adressenaufkleber wird ihnen vielleicht noch etwas über den Absender verraten?«
Der Kommissar zog einen Löffel aus der offenstehenden Schublade und stocherte damit in den Überbleibseln des Pappkartons. Der Aufkleber war nicht mehr zu erkennen. An seiner Stelle klaffte ein hässliches Loch.
Der Typ vor uns wischte sich über den Oberlippenbart und nuschelte: »Das werden wir im Labor rekonstruieren müssen.« Winter verdrehte nur die Augen, schwieg allerdings, was ich ihr hoch anrechnete.
Der Kleine drehte sich zu uns um und sagte: »Den Rest kann die Spurensicherung erledigen. Es wäre von Vorteil, wenn sie uns jetzt, zwecks Aussage, aufs Präsidium begleiten würden.«
Seine Worte waren als unverhohlener Befehl zu verstehen, die er mit einer Handgeste zur Tür unterstrich. Anscheinend wollte er nicht weiter hierbleiben und in den Trümmern nach Spuren suchen. Er blickte nur noch kurz auf und sagte: »Haben sie irgendetwas verändert?«
Nach kurzem Nachdenken sagte ich: »Ich habe Winter nach der Explosion noch einen Glühwein in der Mikrowelle zubereitet.«
Die Augen des Kommissars musterten mich kritisch und er legte dabei den Kopf leicht schräg. Dann schüttelte er den Kopf und richtete seine Hand erneut auf die Tür.
Tatsächlich schaffte man es, den Adressenaufkleber auf dem Paket zu rekonstruieren. Dass allerdings die Absenderanschrift fehlte, war nicht weiter überraschend.
Der Kommissar quälte uns ganze drei Stunden, teilweise getrennt – was allerdings wenig Sinn ergab, da Winter zur Tatzeit noch gar nicht anwesend war. Dabei war seine bloße Anwesenheit weitaus unangenehmer als seine Fragen, die sich auf Grundschulniveau bewegten. Entweder wollte er mich dadurch in Sicherheit wiegen und mir den Eindruck vermitteln, dass ich ihm haushoch überlegen war oder er war wirklich leicht beschränkt. Im Nachhinein tippte ich allerdings eher auf das Erstere.
Als ich am Abend erschöpft in mein Bett fiel, schlugen die Gedanken in meinem Kopf Purzelbäume und konnten erst langsam davon überzeugt werden, dass es Zeit war sich zu Ruhe zu legen.
Winter hatte mir angeboten bei mir zu bleiben, jedoch lehnte ich ihren Vorschlag dankbar ab, zumal es sowieso keinen Sinn ergab. Der Angreifer oder die Angreiferin würden sich an mir ihre Zähne ausbeißen.
Ich erwachte mit einem brennenden Hungergefühl. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich am letzten Tag noch nichts gegessen hatte. Daher schlurfte ich in die Küche, wobei mein Kopf fröhlich hämmerte und mein Bauch mir Vorträge in Form von lauten Knurrgeräuschen machte.
Die Küche glich jetzt eher einer Badewanne ohne Wasser. Die Spuren des Vortages waren wahrscheinlich alle fein säuberlich in Tüten gepackt und abtransportiert worden. Unterhalb meines Kühlschranks hatte sich eine Wasserpfütze gebildet.
Wahrscheinlich konnte ich den Inhalt meines Tiefkühlers direkt entsorgen. Da das Licht nicht ansprang, war der Grund dieses Dilemmas offensichtlich. Irgend ein cleverer Polizist und Spurensucher war auf die dumme Idee gekommen, die Sicherung herauszunehmen. Augenscheinlich hatte er vergessen, sie anschließend wieder einzuschalten.
Fluchend öffnete ich den Kühlschrank und durchsuchte ihn nach etwas nahhaftem und essbarem.
Das Brot lag glücklicherweise im Brotkasten, der nicht als Beweis in der Reservatenkammer verstaubte. Ich öffnete ihn und wollte gerade eine Scheibe Käse auf ein Brot legen, als neben mir das Fenster explodierte. Irgendetwas streifte meine Stirn und bohrte sich neben mir in den Kühlschrank. Ich verspürte dabei nur einen kleinen Stich und blickte mich irritiert um.
Ein weiter Stich traf mich auf Brusthöhe. An der Stelle, an dem es schmerzte, wies mein Bademantel ein kleines Loch auf, welches mit einem netten schwarzen Rand verziert war.
Die Informationen verarbeitend blickte ich nach draußen und konnte jemand zwischen den Bäumen des Nachbargrundstücks erkennen. Sie hielt ein Gewehr in den Händen und zielte in meine Richtung.
Neugierig trat ich näher an das nicht mehr vorhandene Fensterglas und blickte hinaus. Es war eindeutig eine junge Frau, die dort auf mich zielte. Sie hatte blonde lange Haare und erinnerte mich ein wenig an Winter, auch wenn sie es nicht war. Dieses Mädchen war eine Spur größer.
Meine Augen sind nicht die Besten. Ohne Brille bin ich ungefähr so blind wie ein Dackel und überdies rieche ich nicht sehr gut. Das Letztere ist jetzt vielleicht etwas missverständlich – ich wollte sagen, dass aufgrund des jahrelangen Missbrauchs von Nasenspray, die Kapazität meines Geruchsinns stark eingeschränkt ist. Auf jeden Fall war die Person in der Ferne ob der Entfernung auch mit Brille schlecht zu erkennen. Sie hatte einen blauen Parka an und das Gewehr mittlerweile nur noch an ihrer Seite hängen.
Für einen Augenblick blickten wir uns an. Ich hielt immer noch das Stück Brot in der einen Hand und die Käsescheibe in der anderen und klatschte jetzt beides aufeinander.
Dann ging es auf einmal sehr schnell. Das Mädchen wandte sich um und huschte zwischen die Bäume. Im nächsten Moment war sie verschwunden.
Ich überlegte kurz, ob ich ihr nachjagen sollte, entschied mich allerdings aufgrund meiner unangemessen Kleidung dagegen.
Eigentlich war es merkwürdig, dass das Fenster nicht schon bei der Bomben-Explosion vom Vortag zu Bruch gegangen war. Jetzt musste ich es auf jeden Fall ersetzen. Vielleicht würde es sich ja lohnen auch gleich die anderen Räume zu renovieren. Wenn man schon irgendwo anfing, könnte man auch gleich weitermachen.
Geistesabwesend biss ich in mein Brot. Etwas knirschte zwischen meinen Zähnen und ich spuckte den Bissen aus. Auf meiner Hand zwischen Brotkrumen und Käseresten lag ein metallisch, bläulich schimmerndes Ding.
Anscheinend war es das Projektil, welches von meiner Brust abgeprallt war.
Hinter mir hörte ich jemand den Raum betreten. Eine Stimme sagte: »Du solltest das Fenster schließen, sonst holst Du Dir noch den Tod.«
»Sinnlos – den haben mir schon andere bringen wollen, aber sie will einfach nicht erscheinen.«
Winter blickte mich kalt an und runzelte die Stirn. Ich reichte ihr mit einem Nicken die zerknautschte Kugel.
Sie sagte: »Man hat es schon wieder versucht?«
»Diesmal gehen wir damit allerdings nicht zur Polizei. Ich habe keine Lust diesem Walross zu erklären, warum ich nicht tot bin. Das würde ewig dauern und glauben würde er mir sowieso nicht. Anschließend würde er mich dann einweisen lassen.«
Vorsichtig nahm ich einen weiteren Bissen von meinem Brot. Tatsächlich schmeckte es mir nicht mehr.
Winter blickte auf den Kühlschrank, der jetzt zusätzlich zur Pfütze unterhalb noch ein kleines Loch auf Kopfhöhe aufwies und sagte: »Sollen wir irgendwo frühstücken gehen?«
Ich nickte still und warf das Brot in den Mülleimer.
Mit Winter essen zu gehen hat etwas Surreales. Sie ist niemals mit dem zufrieden, was man ihr auftischte. Zunächst nörgelte sie am Rührei herum, schimpfte auf den Kellner, der ihr zu alten Lachs andrehen wollte und schmiss drei Brötchen zurück in den Korb, bis sie ein angemessenes gefunden hatte, welches ihre prüfenden Druckproben überstand.
Beschämt setzte ich mich und versuchte, so viel in mich zu stopfen, wie ich konnte, bis wir vermutlich rausgeschmissen werden würden.
Ich hatte gerade mein drittes Brötchen gegessen, als mir jemand auf die Schulter schlug. Überrascht wirbelte ich herum und blickte in das Gesicht eines verschollen geglaubten Freundes.
»Mann Bob, Dich sieht man ja überhaupt nicht mehr.«
Mit einem großen Schluck befreite ich meinen Mund vom Inhalt und sagte: »Mann Jochen, Du hast mir noch gefehlt.«
Winter hatte ihre Expedition in die kulinarische Welt unterbrochen und trat auf meinen Freund zu. Sie sagte: »Wir hätten gerne zwei heiße Tees – so schnell wie möglich, wenn ihre Küche so etwas überhaupt hinbekommt.«
Mein Freund wirbelte herum und sagte: »Bitte entschuldigen Sie, ich arbeite nicht hier.«
Winter lachte zynisch auf und sagte: »Noch jemand, der hier nicht arbeitet. Kein Wunder, dass hier niemand essen geht. Hier fühlen sich wahrscheinlich selbst die Kellner wie Gäste.«
Kopfschüttelnd sagte ich: »Der Laden setzt auf Selbstbedienung. Wenn Du was willst, musst Du es Dir selbst holen.«
Jochen wirbelte herum und sagte: »Du kennst diese Frau? Seid ihr zusammen oder was?«
Erneut ließ Winter ihr spitzes Lachen erklingen. Ich sagte: »Wir sind nicht zusammen, ich kenne Sie und eigentlich wollte ich nur meine Ruhe.«
Beleidigt sagte Jochen: »Wenn Du mich nicht sehen willst, kann ich auch wieder gehen.«
»Nein, bitte bleib. Mein Spruch war eher gegen Winter gerichtet, als an Dich. Es freut mich wirklich Dich zu sehen. Wie geht es Dir so?«
Winter zischte: »Haben wir wirklich Zeit für Small-Talk? Schließlich gibt es Wichtigeres zu tun, als uns mit dahergelaufenen Bekannten zu unterhalten.«
»Setzt Dich ruhig – sie meint es nicht so. Sie beißt nicht und will nur spielen.«
Beleidigt ließ sich Winter in ihren Stuhl fallen.
Ich sagte: »In der letzten Zeit hatte ich wirklich viel zu tun. Wenn ich einen Wunsch hätte, dann der, dass ich endlich mal zur Ruhe kommen könnte.«
Jochen nickte und sagte: »Geht mir genauso.«
Zu Winter gewandt sagte ich: »Siehst Du, er kann mich verstehen.«
»Dieser Langweiler nervt mich jetzt schon.«

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