Der Typ

Eine Hand schob sich unter den Vorhang, packte meinen Arm und zog mich unsanft unter dem Bett hervor. Ich blickte in die kalten blauen Augen, die ich schon einmal gesehen hatte.
Ich sagte: »Sie sind bestimmt der Gastgeber.«
Der Herr hatte weiße Haare, war allerdings vorzeitig gealtert. Sein Gesicht zierten keinerlei Falten oder anderer Altersanzeichen. Die Stirn ging hoch in kleinere Geheimratsecken und sein Kinn zierte ein kleines spitzes Bärtchen.
Er starrte mich an und sagte, wobei er die Konsonanten merkwürdig betonte: »Das ist nur ein Trick. Wenn sie Dich unsterblich gemacht hat, dann liebt sie Dich auch.«
Ich schüttelte den Kopf und sagte: »Unsterblich hat mich ihre Tante gemacht und eigentlich war Sommer daran schuld.«
Der Mann vor mir zischte und sagte: »Wer ist Sommer und wer ist die ominöse Tante meiner geliebten Mina.«
Die Augen verdrehend sagte ich: »Jetzt weiß ich, wer Du bist. War auch nicht weiter schwer zu erraten. Irgendwer hat Dich mal nebenbei erwähnt. Ich muss Dir nur leider mitteilen, dass die Dame, der Du hinterherjagst, nicht wirklich Mina heißt.«
Die Augen des Mannes wanderten in die Ferne und er sagte: »Geliebte und überirdische Mina. Sie ist die Sonne meines Lebens.«
Leiser fügte ich hinzu: »Besser als das Eis an meinem Stiel, aber fast ebenso kitschig. Außerdem hat Winter wirklich kaum etwas mit der Sonne zu tun, wenn man mal vom Fehlen der Sonne absieht.«
Die Augen meines Gegenübers verengten sich, was ich für kein gutes Zeichen hielt und ich sagte: »Die Dame ist mir nicht unter Mina bekannt. Sie nennt sich in meiner Gegenwart Winter und ist verwandt mit den Herren und Damen Sommer, Herbst und Frühling. Übrigens sind die übrigen drei auch ganz sympathisch, wenn man sie erst einmal kennenlernt.«
»Sie machen sich über mich lustig.«
»Käme mir nie in den Sinn. Warum sollte ich mich über einen walachischen Fürsten lustig machen, der für seine Grausamkeiten bekannt ist? Wäre doch äußerst ungesund.«
»Diese Praktiken nützen nichts bei Unsterblichen.«
»Ich würde mich trotzdem nicht lustig machen. Wir sprechen definitiv von der gleichen Person, da ich weiß, dass sie mal mit Dir Zeit verbracht hat. Ich frage mich nur, warum Du nicht bemerkt hast, dass sie eine Jahreszeit ist. Es muss Dir doch aufgefallen sein, dass sie lediglich ein Viertel des Jahres bei Dir war.«
»Sie war beschäftigt und ich habe nicht nachgefragt.«
»War das normal für das mittlere 14. Jahrhundert?«
»Eigentlich nicht, aber ich liebe nun mal selbstbewusste Frauen.«
»An Selbstbewusstsein fehlt es ihr verdammt nochmal nicht.«

Schmollmund

Die Dame vor mir zog ein Gesicht, als hätte ich gerade auf ihr Lieblingshündchen getreten. Süß und Bitter zwitscherte sie: »Liegt es an mir?«
Ich schüttelte den Kopf und hätte fast reflexartig geantwortet, überlegte es mir dann jedoch anders, nickte und sagte: »Ja!«
In ihren Augen erschienen Tränen, was sie als außergewöhnlich gute Schauspielerin auswies. Leise und den Kopf hängen lassend sagte sie: »Ich kann mich verändern, wenn Du das willst. Ich kann genauso aussehen, wie Deine Freundin.«
Ich ließ einen großen Schwall Luft aus meinem Körper, schüttelte den Kopf und sagte: »SIE IST NICHT MEINE FREUNDIN. Ich bin glücklich verheiratet und stehe absolut nicht auf Blondinen. Sie ist nicht mein Typ, ich bin nicht ihr Typ und eigentlich wäre ich sogar recht zufrieden gewesen, wenn sie dieses Jahr nicht erschienen wäre.«
Im Gesicht der Dame vor mir ging eine weitere Veränderung vor. Sie hatte die Augenbraun hochgezogen und die Lippen gespitzt.
Sie sagte: »Ihr seid nicht zusammen?«
»Nein, Nein und nochmals Nein!«
»Dann war das alles nur ein Missverständnis?«
Ich nickte.
»Das muss er erfahren.«
Eine Stimme erklang vor dem Bett. Sie war tief und hatte einen merkwürdigen Dialekt, den ich so noch nie gehört hatte. Irgendwie östlich, allerdings weder russisch noch polnisch.
Die Stimme sagte: »Es ist nicht relevant. Sie rennt mit ihm rum. Vielleicht ist er nicht in sie verliebt, aber sie ist bestimmt in ihn verliebt.«
Meinen gequälten Unterton konnte ich kaum herunterschlucken. Ich sagte: »Ich bin weder mit Winter, noch mit Frühling, noch mit Sommer und erst recht nicht mit Herbst zusammen. Sie wollen nichts von mir. Sie kommen und gehen und sind nur gute Freunde.«
Ich stockte kurz und sagte: »Gute Freunde ist vielleicht falsch. Sie sind Typen, die ich kenne. Mehr ist da nicht.«
Die Stimme von draußen näherte sich, während sie sagte: »Das sollen wir Dir glauben?«

Kapitel 5 – Online

Nur eine kurze Mitteilung. Wer das letzte Kapitel (5) noch einmal im Ganzen lesen möchte, kann dieses jetzt hier finden.

Es hat wie immer etwas gedauert, dass ich eine Zusammenfassung hinbekommen habe, allerdings schreibe ich auch schon wie ein Wahnsinniger an Frühling und jede Unterbrechung fällt mir wirklich schwer.
Nach dem Feedback von Alice Wunder, für das ich mich hier erst einmal herzlich bedanken möchte, wird Frühling tatsächlich ein Rückblick auf eins der wahnsinnigsten und unglaubwürdigsten eigenen Abenteuer, die ich selbst je erlebt habe.

Das Rückmeldung von Critical Pixie steht noch aus und ich zittere vor ihrer harschen Kritik (trägt sie doch eben diese schon im Namen).

Im Frühling erlebt ihr etwas, was zu über 50 % autobiographisch ist und nur zu vielleicht gerade mal 50 % völlig aus der Luft gegriffen und übertrieben wurde (ich hatte euch ja gewarnt). Wie gesagt, nach den Schreib-Dilettanten, deren Podcast ich jedem angehenden Schreiber ans Herz lege, stellen biographische Einflüsse ein absolutes Tabu dar. Die Gefahr, dass das eigene Erleben gar nicht mal so interessant ist, wie man es selbst empfindet, ist einfach zu groß. Allerdings geben die Beiden auch jedem neuen Autor den Tipp „Krimis“ zu schreiben, da die sich in Deutschland am Besten verkaufen lassen. Dieser Ratschlag wurde ebenfalls von mir in den Wind geschlagen.
Was soll ich sagen – ich bin einfach unbelehrbar.

Ich danke auf jeden Fall jedem, der hier regelmäßig reinschaut und meine Geschichten verfolgt. Ihr seid die Besten. Vielen Dank.

Gruß,

SAC

Vorspiel

Ich stotterte: »Bei unserem letzten Treffen hast Du mich noch zusammengeschlagen.«
»Das war ein Missverständnis. Verstehe es doch einfach als Vorspiel und dies hier ist die Wiedergutmachung.«
»Wo sind wir hier überhaupt?«
»Weit weg von der Polizei. Sogar sehr weit weg.«
Meine Chancen standen vielleicht gut, sie durch ein wenig Plauderei abzulenken.
Ich sagte: »Eine andere Stadt?«
Sie schüttelte den Kopf und sagte: »Weiter.«
»Ein anderes Land?«
»Ja.«
Sie kam immer noch auf allen Vieren auf mich zugekrochen. Jetzt konnte ich ihren Geruch wahrnehmen. Es war eine Mischung aus tonnenschwerem Parfum der Marke ›Letzte-Grabbeilagen‹ – Patschuli konnte man eindeutig riechen, dazu gesellten sich noch Gerüche von Lösungsmitteln, die eigentlich eher im Besenschrank zuhause seien sollten – und einem stechenden Schweißgeruch der Marke ›AUFDRINGLICH‹.
Die Situation entwickelte sich definitiv zu meinen Ungunsten, so wie fast jede andere Situation in dieser vermaledeiten Geschichte.
Mir fiel auf, dass ich bis jetzt noch kaum agiert hatte, sondern nur getrieben wurde. Dabei hassen alle Leser einen passiven Charakter.
Ich musste demnach eilig handeln, bevor mir zu schwindelig wurde und ich alle verbleibenden Leser vergraulte.
Schnell eilte ich zum Rand des Bettes. Wenn der Vorhang keine Öffnungen hatte, müsste er doch wenigsten ein Ende haben.
Aus diesem Grund rutschte ich vom Bett und ließ mich zwischen Vorhang und Bett auf den Boden fallen.
Hier unten musste dringend gereinigt werden. Der Staub von Äonen stieg in meine Nase und ließ mich niesen.
Der Kopf von Blondchen folgte mir. »Was machst Du denn da unten mein Liebster? Hier oben ist es doch viel bequemer.«
»Ich wollte nur nachschauen, ob sie hier liegt.«
»Wen suchst Du denn?«
Ich zuckte mit den Achseln, lächelte und sagte: »Ich hatte gehofft, meine Freiheit zu finden, aber anscheinend habe ich die woanders verloren.«
»Komm doch wieder hoch. Ich kann ganz tolle Sachen mit Dir machen.«
»Das hast Du mir schon bewiesen und ich stehe einfach nicht auf Schmerzen.«
»Ich kann auch Sachen mit meinem Mund machen, wenn Du darauf stehst.«
»Das Reden reicht mir im Moment völlig. Mehr möchte ich gar nicht.«

Vielleicht Vergeblich Verführt?

Nach dem ersten Schock brauchte ich viel Zeit, um zu realisieren, was die Dame vor mir trug. Sie hatte ein durchsichtiges, hellrosa Nachthemd aus einem Material an, aus dem meine Oma ihre Gardinen bevorzugte. Darunter trug sie – ich weißt nicht genau, wie die Damenwelt sowas nennt – an der Stelle brauchte ich dringend Google – heißt es Negligee, Korsett oder Strapse?
Bei Männern ist das alles einfacher. Da gibt es nur Boxershorts. Was anderes trage ich sowieso nicht.
Auf jeden Fall, war dies ein Moment, in dem ich am liebsten schreiend weggelaufen wäre. Sie wirkte in dem Stoff so wahnsinnig deplatziert, dass es schon fast lächerlich wirkte.
Dazu traf mich ein Blick, der scheinbar wildes Verlangen in mir auslösen sollte, bei meine Abneigung gegen herrsch- und rachsüchtige Blondinen mit einem egomanischen Komplex jedoch nicht gewinnen konnte.
Sie sagte: »Hallo Süßer. Hast Du Lust auf ein Spiel?«
Ich sagte: »Hast Du ein Gesellschaftsspiel dabei? Du musst allerdings wissen, dass ich Mensch-Ärgere-Dich-Nicht und Kartenspielen verabscheue. Wenn Du allerdings Set dabei hast, könnten wir eine Runde spielen.«
Ihr Verführerblick trübte sich ein wenig unter den Falten, die ihre Stirn für einen Agenblick zierten. Dann sagte sie: »Ich meinte andere Spiele. Wie wäre es mit Rollenspielen?«
»Für Rollspiele brauchen wir die richtigen Würfel und die hab ich unter den Kissen hier drin nicht gefunden. Außerdem bin ich nicht vorbereitet. Man sollte zunächst einen Charakter entwickeln.«
»Für meine Rollenspiele braucht man keine Würfel.«
Dabei lächelte sie charmant, was auf mich genauso freundlich wirkte, wie das breite Lächeln einer Großwildkatze kurz vor dem Sprung.
Sie trat näher an das Bett und ich wich zurück. Das hätte ich nicht machen sollen, da ich ihr jetzt Raum bot.
Ich sagte: »Du überschreitest gerade meine Komfort-Zone. Es sollte immer eine Armlänge Platz bleiben.«
Mit einem Lächeln und einer lässigen Handbewegung wischte sie meine Worte aus der Luft. Ich krabbelte tiefer in das Bett und sie zog die Vorhänge beiseite.
Der einzige Fluchtpunkt, den ich noch hatte, war durch die Frau blockiert.

Kapitel 6: Erwachen

Mit einem Ruck riss ich die Augen auf. Ich lag auf einem weichen Bett, wobei man die Ausmaße dieses Bettes kaum mit dem der letzten Liege, auf der ich genächtigt hatte, vergleichen konnte.
Dieses Federnreich war ein verdammter Öltanker im Vergleich zum fragilen Schlauchboot der vorigen Nacht.
Um mich herum türmten sich Kissen und Decken und an den vier Ecken, schraubten sich hoche Türme gegen die Decke, deren Verzierungen kleine pausbäckige Engeln beim Liebesspiel zeigten. Das alleine war schon einigermaßen geschmacklos und abstoßend. Der schwere, blickdichte Umhang tauchte das Bett in ein Zwielicht.
Wer ein Harem sein Eigen nennt, würde sich ein solches Schlaf-Ungeheuer ins Wohnzimmer stellen und es mit mindestens zehn leicht bekleideten Damen füllen. Dabei müsste er allerdings aufpassen, dass dieses Zimmer mindestens vier Meter hoch war.
Ein Harem beflügelt bestimmt die Fantasy einiger Herren, ich persönlich bin allerdings rein rational der Meinung, dass eine Frau genug Stress verursacht. Vielleicht bin ich da etwas altmodisch – aber mehr als eine Frau würden bei mir zu einem vorzeitigen Ableben z.B. aufgrund eines Herzinfarktes führen.
Ich kämpfte mich an den Rand der Matratze, die nur eine extra Anfertigung seien konnte, wobei ich mehrere dutzend Kissen und Decken beiseite schieben musste, bis ich den schweren Vorhang erreichte.
Dieser verdammte Vorhang hatte keine erkennbaren Öffnungen. Natürlich waren sie nicht in der Mitte angebracht, so dass ich am Rand immer weiter krabbeln musste.
Erneut schichtete ich Decken und Kissen um und tastete parallel dazu den Vorhang nach Öffnungen ab.
Nach zwei Durchgängen am Rand des Bettes und der Erkenntnis, dass der Vorhang vielleicht nur dazu da war, mich einzuschließen, fand ich doch noch einen Durchgang. Er war so vertrackt gut getarnt, dass ich ihn vorher nicht erkannt hatte.
Sehr vorsichtig zog ich die Enden beiseite und lugte hinaus.
Dort draußen stand dieses blonde, gemeine Wesen. Sie schien hochgradig amüsiert und blickte direkt in mein Gesicht.
Ich musste schlucken.
Sie sagte: »Das hat aber gedauert. Ich hätte Dir wohl eine Wegbeschreibung schicken sollen.«
Dann trat sie nähe an das Bett.

Ja, aber… Ein Aufruf an alle Verschwörungstheoretiker im Land

MitmachBlog

Deutschland lernt langsam. Was schon PISA zeigte, äußert sich ebenfalls in vielen anderen Bereichen. Wir sind einfach nicht gut darin, ordentliche Verschwörungstheorien in die Welt zu setzen.
Die Beliebteste im Land ist zurzeit das Märchen, dass die Flüchtlinge die uns erreichen, unsere Kultur zerstören wollen. Dabei wird einfach nicht zu Ende gedacht.

Hier einmal der Aufruf an alle Leute da draußen, den Bogen noch ein wenig weiter zu spinnen.

Ich gebe euch mal ein paar Dinge an die Hand, die man sicherlich weiter entwickeln kann.

Die wichtigste Frage bei einer guten Verschwörungstheorie ist immer:

Wem nützt die Lage am Meisten?

Eine Frage, die die meisten akuten Theorien z.B. auf Facebook nicht beantworten – was sie als unwahrscheinlich entlarvt. Die Leute flüchten vor Bürgerkriege und wollen sicherlich nicht neue entfachen. Außerdem haben sie nichts gegen unsere Kultur, sonst würden sie woanders hin flüchten.

Daher hier zwei Theorien, die weitaus plausibler klingen.

Ursprünglichen Post anzeigen 277 weitere Wörter

Auf dem Weg

Die Fahrt würde nicht lange dauern. Ich kannte den Weg gut, da ich in der Nähe der Vollzugsanstalt in der Großstadt schon gewesen war. Der Polizist, der in meiner Nähe saß, hatte seine schlechte Laune kaum unter Kontrolle. Anscheinend wäre er lieber woanders.
Da er grummelnd und starr nach draußen sah, schaute ich mir ebenfalls lieber die Umgebung an, als ihn bei seiner schlechten Laune zu stören.
Wir fuhren ein Stück durch das Innenstadtgebiet. Aus der Ferne konnte ich Leute erkennen, die den Marktplatz aufräumten. Nach dem Anschlag und dem Kampf würde es wohl noch Wochen dauern, bis er den alten Flair zurückgewann.
Flüchtig sah ich eine Blondine, die in meine Richtung winkte. Ich konzentrierte mich auf die Dame. War es Winter?
Wir waren zu schnell an ihr vorbeigefahren und ich blickte neugierig aus dem Heckfenster.
Von der Figur passte es einfach nicht, sie wirkte ähnlich, allerdings nicht vertraut. Allerdings konnte die Jahreszeit auch in jedem Augenblick anders aussehen und eine andere Seite von sich zeigen.
Der Bus stoppte und ich blickte zurück nach vorne. Winter hätte mich hier rausgeholt, wenn sie es gewesen war.
Die Fußgängerampel war rot und ein Typ in Karputzenpulli ging langsam über die Kreuzung. Er hielt genau vor dem Bulli und blickte unterhalb seiner Karputze nach innen. Ich sah eiskalte, tiefblaue Augen in einem fast bleichen Gesicht. Seine Blicke waren direkt auf mich gerichtet.
Die Ampel sprang zurück und der fahrende Beamte wurde sauer, weil sich dieser Typ vor ihm nich aus dem Weg rührte. Er schrie nach draußen.
Ich konnte seine Worte nicht verstehen, da die Panik in mir hochstieg. Das hinter uns war nicht Winter. Das war mein ganz persönlicher Alptraum und wie ich es schon immer gewusst hatte, war der blond.
Ich blickte mich um und sah, dass der Verkehr hinter uns versiegt war. Eine einzelne Dame ging dem Bus entgegen. Ihre Haare wirbelten durch die Luft, als herrschte draußen ein Orkan, wobei sich rechts uns links kein Blatt rührte.
Sie war jetzt bis auf wenige Meter bei uns. Ich blickte mich wieder um, weil der Polizist am Lenkrad, der sich gerade noch lauthals beschwert hatte, plötzlich leise war. Er hatte den Kopf nach vorne gebeugt und schien zu schlafen. Die Tür zum Bus stand offen und der Karputzentyp stand davor.
Ich wendete mich zu dem Beamten an meiner Seite, doch der hatte seinen Kopf gegen das Fenster gelehnt und die Augen geschlossen.
Plötzlich schlich eine Müdigkeit in mir auf. Meine Arme und Beine sackten nach unten. Meine Augenlider waren so schwer, als hätte man daran Lastwagen aufgehängt. Mit aller Kraft kämpfte ich gegen die Schwere an, doch schließlich musste ich nachgeben. Die Welt um mich herum wurde dunkel und ich fiel in die Leere.

Ab in den Bus

Die Typen in Blau verpassten mir erneut Handschellen. Langsam kehrte dabei eine Art Gewohnheit ein.
Ich entdeckte den Beamten unter ihnen, der mir gestern die Flucht vereitelt hatte und wünschte ihm einen guten Morgen. Er starrte mich irritiert an. Mit einem Lächeln fragte ich: »Wie geht es Ihnen heute?«
»Heute hab ich eigentlich frei, deshalb hab ich nicht besonders gute Laune. Diese ganzen Überstunden machen mich fertig. Zum Glück ist nach der Fahrt heute für mich Schluss.«
»Es tut mir leid, dass ich der Grund für ihre Überstunden bin.«
»Dafür können sie ja nichts. Wir haben viel zu wenig Personal für viel zu viele Einsätze. Mal ist es ein Fußballspiel, mal sind es vermutliche Terroristen – wir wissen gar nicht mehr, wie wir das alles hinbekommen sollen.«
»Sie könnten ja z.B. auf die Blitzer-Tage verzichten?«
»Das mit diesen Tagen ist eine ganz andere Sache. Zum einen haben wir natülich Aufgabengebiete – wie z.B. Verkehr, Verbrechen und Schutz – zum anderen viel zu wenig Leute, so dass jeder mittlerweile alles machen muss. Wir sind fast schon soweit gekommen, dass die Leute im Büro auch blitzen müssen.
Die Lage ist angespannt.«
Er nahm meine Hände und schob mich vor sich durch die Tür.
Ich sagte: »Nicht, dass ich mich beschweren möchte, aber ich wäre auch ohne Schieben ihrer Aufforderung gerne nachgekommen.«
Der Beamte nickte und sagte: »Wenn dann alle etwas überarbeitet sind, passieren auch so Dinge, wie Polizeibrutalität und anderen Vorfälle, die man uns dann vorhält. Wir können nicht gewinnen.«
Ich ging ein paar Schritte schneller, damit der Herr hinter mir nicht noch einmal schieben musst. Schließlich wollte ich nicht dazu beitragen, dass er Probleme bekam.
Wir kamen draußen an einem blauen Bus an. Neben dem standen etliche Fotografen und ließen ein wildes und weißes Licht über mich ergehen.
Ich sagte: »Toll jetzt komm ich ins Fernsehen.«
Etwas leiser, kam es von hinten: »Die besagten 5 Minuten Ruhm.«
»Hoffentlich erkennt mich niemand. Ich habe mich heute Morgen gar nicht rasiert.«
»Das sollte das Geringste der Probleme sein.«
Schnell sprang ich in den Bus und verdrückte mich nach hinten auf die Bank.
Ich blickte in die Gesichter der Leute, die neben den Bus standen und nickte ihnen zu. Wirklich wusste ich nicht, welche Reaktion sie von mir erwarteten, sie blickten mich auf jeden Fall recht fassungslos an.

Kleine Frage an die Leser

Meine Arbeiten an Winter 2016/2017 sind beendet. Es wird ein Showdown werden, der noch einmal alle Register der Dramaturgie ziehen wird – oder so. Ich hoffe, es gefällt euch.
Für Frühling habe ich eine eher waghalsige Idee, die vielleicht auch nach hinten losgehen könnte, wie der letzte Herbst (völlig ohne Planung zu starten, führte dazu, dass auch die Geschichte ziemlich planlos erschien).
Es gibt viele Schreibratgeber, die eindrücklich davor warnen, sich selbst zu sehr in eine Geschichte einzubeziehen. Andere Schreibratgeber sagen, dass nur biographische Werke klare Größe beweisen können.
Bisher bin ich zwar Teil meiner Geschichte, sie basiert allerdings nie auf echten Erinnerungen und wenn Menschen auftauchen, bei denen lebenden Menschen Pate standen, sind sie so sehr verfremdet, dass man sie niemals erkennen könnte.
Durch eine Geschichte, die ich letztens hörte, überlegte ich, ob man reale Erinnerungen in eine Fiktion einbauen könnte. Man nehme z.B. eine Kindheitserinnerung und füge einige Portionen Science Fiction und eine Prise Fantasie dazu.
Daraus entwickelte sich die Idee zu ›Frühling 2017‹, welches Frühling nicht so penetrant in den Mittelpunkt stellt. Sie darf nur eine Nebenrolle in meiner Erinnerung übernehmen.
Das erste Kapitel habe ich fertig gestellt.
Jetzt eine Frage an euch treue Leser: Hat jemand Lust, dieses Kapitel schon im Voraus zu lesen und mir zu sagen, ob die Idee dahinter zünden könnte?
Die Version, die ich im Moment in Händen halte, ist noch ein erster Entwurf. Er wimmelt von Grammatik und Rechtschreibfehlern und wird zur Veröffentlichung noch einmal überarbeitet. Trotzdem müsste er euch ein Bild davon geben, was euch erwartet.
Wenn ihr die Lust auf das Experiment verspürt meldet euch doch bitte unter: sackingbob74@hotmail.de .
Ich freue mich darauf, von euch zu hören.